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/ 21.06.2013
Torsten Meireis (Hrsg.)

Lebendige Ethik. Beiträge aus dem Institut für Ethik und angrenzende Sozialwissenschaften. Hans-Richard Reuter zum 60. Geburtstag

Berlin: Lit 2007 (Worte – Werke – Utopien 2); 217 S.; brosch., 24,90 €; ISBN 978-3-8258-0626-2
Im Band finden sich Beiträge zu zahlreichen Aspekten der Ethik versammelt: zu Grundlagenproblemen der Ethik, zur politischen Ethik, Kirchentheorie, Wissenschaftsethik sowie zu Überlegungen zur ethischen Reflexion in gottesdienstlicher Praxis. Sie decken eine Zeitspanne von der Bonhoeffer-Rezeption über menschenrechtliche Probleme bis hin zur aktuellen Kirchenreformdebatte ab. An die Grundlagen unseres Rechtsstaatsverständnisses und an eine aktuelle Debatte rührt der Beitrag Werner Schieweks, der die Gewissensproblematik im Kontext der Frage nach der „Rettungsfolter“ am Beispiel des Verhaltens Wolfgang Daschners bei der Entführung des Bankierssohns Jakob von Metzler reflektiert. Da es auch nach der Entscheidung des Gerichts „keine legale Lösung des Problems“ (69) gegeben habe, gesteht er Daschner zwar zu, eine Gewissensentscheidung getroffen zu haben, doch diese „– und das ist ja das Tragische auch der griechischen Tragödie – befreit auch im moralischen Sinn nicht von Schuld“ (75). Mit seinen Überlegungen verbindet Schiewek die Forderung nach intensiver „berufsethischer Aus-, Fort- und Weiterbildung in der Polizei“ (65). Alexandra Heck plädiert in der Verfolgung der Frage nach der Legitimation staatlicher Umverteilung, was also letztlich zur Sozialstaatsbegründung taugt, für eine staatliche Förderung bürgerschaftlichen Engagements. Die Autorin kritisiert liberal-egalitaristische Theorien, wie die von John Rawls ebenso, wie entwicklungsegalitaristische Theorien, wie die von Axel Honneth. Sie erläutert dazu: „Liberale Ansätze denken ökonomistisch verengt […] und vernachlässigen dabei die Ebene affektiver Beziehungen zwischen Bürger und Staat“ (103). Sie plädiert also für eine theoretische Verschränkung von kooperations- und solidaritätsgemeinschaftlichen, von system- und akteursbezogenen, von institutionalistischen und individualistischen Ansätzen, um so die beiden in ihren Augen wichtigsten Komponenten einer Soziastaatsbegründung beschreiben zu können: das Systemvertrauen und das Sozialvertrauen.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.442.23 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Torsten Meireis (Hrsg.): Lebendige Ethik. Berlin: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28846-lebendige-ethik_34036, veröffentlicht am 21.10.2008. Buch-Nr.: 34036 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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