/ 04.06.2013
Frida Bordon
Lega Nord im politischen System Italiens. Produkt und Profiteur der Krise. Mit einem Geleitwort von Franz Greß
Wiesbaden: Deutscher Universitäts-Verlag 1997 (DUV: Sozialwissenschaft); XI, 249 S.; brosch., 54,- DM; ISBN 3-8244-4238-8Diss. Frankfurt a. M.; Erstgutachter: F. Greß. - Welche Rolle, welche Stellung nimmt die Lega Nord im politischen System Italiens ein? Insbesondere vor dem Hintergrund des rasanten Systemwechsels, der Italien in den letzten Jahren erfaßte, wird die Einordnung der aus den norditalienischen Autonomiebewegungen hervorgegangenen politischen Bewegung zu einem komplexen Unterfangen. Bordon zeigt auf, wie sich die Lega Nord unter der Führung des charismatischen Parteiführers Umberto Bossi von einer Anti-System-Partei zu einer Bewegungspartei entwickelt, die reaktionsschnell drängende Alltagsfragen aufgreift und im Gegensatz zur Schwerfälligkeit der traditionellen Parteien in der Lage ist, ihr Politikangebot an der politischen Nachfrage auszurichten. In der Zeit des Wandels gelingt es der Lega, sich als neuer Akteur in der italienischen Politik zu präsentieren; sie versucht, die politische Mitte zu besetzen und bietet eine Orientierung an der Werte- und Leistungsgemeinschaft des produktiven Nordens.
Bordon wählt einen kulturwissenschaftlich-politologischen Ansatz, um einerseits die Strukturen offenzulegen, die die Genese der Lega förderten, und andererseits aufzuzeigen, inwieweit die Lega selbst innovativ innerhalb des politischen Systems wirkt: Gleichermaßen als Produkt und Profiteur der politischen Krise wird die Lega analysiert, als "movens" und "movendum". Bordons Untersuchung konzentriert sich paradigmatisch auf die Beobachtung italienischer Verhältnisse in den Regionen Veneto und Sizilien: "Diese spannungsreichen Pole vermitteln anschaulich die 'disUnità italiana' und die damit verbundenen Herausforderungen italienischer Politik." (211) Am Ende der Analyse wirft die Autorin die Frage auf, wie die Europäische Union auf die zunehmende ökonomische, soziale und damit auch politische Spaltung des Landes reagiert.
Inhaltsübersicht: I. Zum Forschungsansatz: 1. Begriffliche Grundlagen: "leghe"-"leghismo"-Lega Nord; 2. Systemwandel und Lega Nord. II. Grundzüge und Entwicklungsphasen des politischen Systems: 1. Die Erste Republik in politologischen Formeln; 2. Kontinuität und Brüche; 3. Historische Konstanten und ihre Wirkkräfte. III. Genese des "leghismo" und der Lega Nord: 1. Die 80er Jahre als Schlüssel zum Verständnis des "leghismo"; 2. Genese und erste Erfolge der "leghe"; 3. Wandel des "leghismo" in den 80er Jahren; 4. Gründung der Lega Nord. IV. Lega Nord im Systemwandel der 90er Jahre: 1. Niedergang der Ersten Republik und Weichenstellung für das Neue; 2. Forcierter "movimentismo" - Zerfall des traditionellen Parteiensystems; 3. Konfiguration eines neuen "bipolarismo"; 4. Lega Nord und das Neue in der Politik; 5. Bilanz der Wende. V. Entwicklungsperspektiven: 1. Grundrisse der Zweiten Republik; 2. Zukunft des "leghismo" und der Lega Nord; 3. Region und politische Innovation; 4. Chancen des italienischen Föderalismus in Europa. VI. Abschließende Überlegungen: 1. Ordnung der neuen "Unübersichtlichkeiten"; 2. Offenes und Spannendes.
Andrea Wolf (AW)
Dipl.-Politologin.
Rubrizierung: 2.61 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Andrea Wolf, Rezension zu: Frida Bordon: Lega Nord im politischen System Italiens. Wiesbaden: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/4970-lega-nord-im-politischen-system-italiens_6557, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 6557
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Dipl.-Politologin.
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