/ 27.11.2014
Thurid Hustedt
Ministerialverwaltung im Wandel. Struktur und Rolle der Leitungsbereiche im deutsch-dänischen Vergleich
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2013 (Staatslehre und politische Verwaltung 18); 547 S.; 99,- €; ISBN 978-3-8487-0788-1Diss. Potsdam; Begutachtung: W. Jann, T. Edeling. – In der international vergleichenden Politikforschung wird seit Längerem ein Trend hervorgehoben, demzufolge sich in etlichen Regierungssystemen ein Machtzuwachs des jeweiligen Regierungszentrums – unter anderem durch Stärkung von Leitungsebenen, Einbindung externer Experten oder Kompetenzübertragung an nicht‑ministerielle Akteure – gegenüber der Ministerialverwaltung beobachten lasse. Vor diesem Hintergrund bezieht die Autorin ihre an der Schnittstelle von vergleichender Verwaltungsforschung und Organisationstheorie angesiedelte Studie auf die empirisch bisher wenig untersuchte Frage, in welcher Weise und warum sich Leitungsbereiche deutscher und dänischer Ministerien zwischen 1980 und 2009 gewandelt haben. Der Analyserahmen orientiert sich an neueren Ansätzen des Neoinstitutionalismus zur Erklärung des Wandels von Organisationen. Der daraus gewonnenen Argumentation zufolge unterliegen ministerielle Leitungsbereiche aufgrund von Globalisierung, Europäisierung und Medialisierung einem institutionell vermittelten Anpassungsdruck. Dieser wird durch binnenorganisatorische Filterfaktoren jeweils kontextspezifisch auf der Ebene von Positionen, Verfahren und Rollen übersetzt. Empirisch beruht die Studie auf quantitativen und qualitativen Erhebungsverfahren; dabei handelt es sich zum einen um formale Organisationsanalysen (beispielsweise anhand von Geschäftsverteilungsplänen) und zum anderen um 50 leitfadengestützte Interviews mit Beschäftigten der Leitungsbereiche deutscher beziehungsweise dänischer Ministerien. Auf der Basis des sehr differenziert durchgeführten Ländervergleichs bestätigt die Autorin den Bedeutungszuwachs der ministeriellen Leitungsbereiche in beiden Ländern. Die Empirie zeigt, dass die traditionelle, auf Weber zurückgehende strikte Trennung von Politik und Verwaltung die faktischen Prozesse in der Ministerialverwaltung nicht mehr angemessen erfasst. Wenn politische Relevanzkriterien wie Durchsetzungsorientierung und mediale Sichtbarkeit zu zentralen Handlungsmaßstäben der Leitungsbereiche werden, dann verschwimmen die Grenzen zwischen den beiden politischen Subsystemen – möglicherweise um den Preis eines Expertiseverlustes.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.21 | 2.61 | 2.32 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Thurid Hustedt: Ministerialverwaltung im Wandel. Baden-Baden: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/37823-ministerialverwaltung-im-wandel_45001, veröffentlicht am 27.11.2014. Buch-Nr.: 45001 Inhaltsverzeichnis Rezension druckenDr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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