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/ 05.06.2013
Vera Neumann

Nicht der Rede wert. Die Privatisierung der Kriegsfolgen in der frühen Bundesrepublik. Lebensgeschichtliche Erinnerungen. Mit einem Vorwort von Lutz Niethammer

Münster: Westfälisches Dampfboot 1999; 227 S.; 39,80 DM; ISBN 3-89691-451-0
Im Mittelpunkt der Studie steht die Frage nach dem Leben der Menschen im Nachkriegsdeutschland: Wie gingen sie mit ihren Kriegsverletzungen, den erlebten Verlusten sowie den psychischen Belastungen und materiellen Lasten um, die sie als Folgen des Zweiten Weltkriegs erlitten hatten? Die Autorin vertritt hier die These von einer "Privatisierung der Kriegsfolgen", das heißt, Kriegserfahrungen, seelische und körperliche Kriegsfolgen, seien vielfach als "persönliches Schicksal" wahrgenommen worden. Die im Wiederaufbau stehende Volkswirtschaft sollte nicht mit großzügigen Entschädigungs- oder Unterstützungsleistungen für die vielen Geschädigten überfordert werden. Wo die Möglichkeit bestand, sollten z. B. Kriegsbeschädigte dem Arbeitsmarkt wieder zugeführt werden, wo dies nicht funktionierte, erwiesen sich die Ehefrauen, Töchter und Mütter als kostengünstigste "Pflegeversicherung". Nach einer einleitenden Beschreibung des methodischen Vorgehens bildet die Auswertung von Interviews mit Zeitzeugen, die während der 1980er Jahre in Westdeutschland geführt wurden, den Hauptteil der Untersuchung. Der Band schließt mit einer Darstellung des Phänomens "Familienarbeit" in den 1950er Jahren sowie einem Überblick zur Kriegsopferversorgung in der Bundesrepublik bis 1960.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.313 Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Vera Neumann: Nicht der Rede wert. Münster: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8377-nicht-der-rede-wert_11052, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 11052 Rezension drucken
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