/ 21.06.2013
Dirk Feustel
One Man Show. Silvio Berlusconi und die Medien
Marburg: Tectum Verlag 2007; 154 S.; pb., 24,90 €; ISBN 978-3-8288-9446-4Kommunikationswiss. Diplomarbeit München. – Der politische Aufstieg Berlusconis sei im Wesentlichen mit den Eigenheiten des italienischen Mediensystems zu erklären, lautet die These dieser Arbeit. Feustel erläutert, wie Berlusconi, der zuvor in der Baubranche erfolgreich tätig war, seinen ersten Lokalsender gründete, das gesetzliche Verbot einer landesweiten Ausstrahlung privater Sendungen durch eine zeitversetzte Ausstrahlung unterlief und mit Schützenhilfe des damaligen Ministerpräsidenten Craxi in seinem Tun legalisiert wurde. Zur Sprache kommt außerdem Berlusconis Mitgliedschaft in der Loge P2, deren Mitglieder die Absicht gehabt hätten, „die Unabhängigkeit der Justiz zu brechen und Schlüsselstellungen in den Medien zu erobern“ (51) – Punkte, die sich später in Berlusconis politischem Programm wieder gefunden hätten, so Feustel. Berlusconis Einstieg in die Politik mit der erklärten Absicht, eine linke Regierung zu verhindern, sei vor allem möglich geworden, weil er in seinen privaten Fernsehsendern (die jahrelang ohne gesetzliche Grundlage arbeiteten) ungehindert Werbung für sich habe machen können. Die italienischen Printmedien hätten dem aufgrund ihrer strukturellen Schwächen (niedrige Auflagen, wirtschaftliche Schwierigkeiten, Abhängigkeit von staatlichen Subventionen) nur wenig entgegenzusetzen gehabt. Feustel ergänzt seine Darstellung der Vita Berlusconis und des italienischen Mediensystems mit einer eigenen empirischen Untersuchung zur Mediennutzung, durchgeführt mit Studenten in Bologna. Die vorrangige Nutzung des Fernsehens wird dabei bestätigt, wobei sich aber eine steigende Nutzung des Internets feststellen lässt. Insgesamt vertritt der Autor die Auffassung, dass die Verbindung von wirtschaftlicher, politischer und medialer Macht, die Berlusconi gelungen sei, einzigartig für eine westliche Demokratie sei – befördert durch Schwächen im italienischen Rechtssystem. Das von Berlusconi schließlich ausgeformte italienische Mediensystem könne durchaus in Analogie zu totalitär organisierten Medien betrachtet werden.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.61 | 2.22 | 2.24
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Dirk Feustel: One Man Show. Marburg: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29199-one-man-show_34527, veröffentlicht am 01.07.2008.
Buch-Nr.: 34527
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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