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/ 21.06.2013
Katharina Stengel / Werner Konitzer (Hrsg.)

Opfer als Akteure. Interventionen ehemaliger NS-Verfolgter in der Nachkriegszeit. Hrsg. im Auftrag des Fritz Bauer Instituts

Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2008 (Jahrbuch 2008 zur Geschichte und Wirkung des Holocaust); 307 S.; kart., 29,90 €; ISBN 978-3-593-38734-5
Die aktuelle Ausgabe des bewährten Jahrbuches befasst sich mit Versuchen überlebender NS-Gegner und -Opfer, in den Nachkriegsgesellschaften den Nationalsozialismus und seine Verbrechen zu thematisieren, zu erforschen und sich für die Interessen und Belange der Überlebenden einzusetzen. Dabei war die soziale Interessensvertretung von Beginn an mit politischen Interventionen gekoppelt, wie vor allem in den Beiträgen des ersten und umfangreichsten Teiles des Bandes beschrieben wird. Zahlreiche unterschiedliche Formen sozialen wie politischen Engagements zeigen, wie vielfältig diese Interventionen waren. In einem zweiten Teil beschäftigen sich die Autoren mit KZ-Überlebenden in der Rolle als erste Historiker der Konzentrationslager. Sie verdeutlichen geschichtspolitisch motivierte Verengungen am Beispiel des Einflusses ehemaliger kommunistischer Funktionshäftlinge auf die Nachkriegsrezeption der Geschichte des KZ Buchenwald, zeigen die Schwierigkeiten früherer Häftlinge des KZ Auschwitz aus Ost und West, während des Kalten Krieges zu einer gemeinsamen Thematisierung des Geschehenen zu finden und beleuchten das Zusammenwirken der wissenschaftlichen und nichtwissenschaftlichen Diskurse am Beispiel des KZ Ravensbrück. In einem dritten Teil sind Texte versammelt, die explizit den Interventionen jüdischer Überlebender gewidmet sind. Hier geht es um Versuche, jüdisches Leben zu reorganisieren, um die Frage der Auswanderung nach Palästina/Israel und schließlich um die schnell einsetzenden Bemühungen, den Völkermord an den europäischen Juden zu dokumentieren und Schuldige strafrechtlich zur Verantwortung zu ziehen. Die einzelnen Beiträge dieses reichhaltigen Sammelbandes belegen die Berechtigung des selbst gesetzten Anspruches, „die Aufmerksamkeit für diesen bisher wenig beachteten Aspekt der Nachkriegsgeschichte zu stärken“. Mit dem Band ist den Herausgebern dazu ein wichtiger Schritt gelungen.
Christoph Kopke (CKO)
Dr. phil., Dipl.-Pol., wiss. Mitarbeiter, Moses Mendelsohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien, Universität Potsdam.
Rubrizierung: 2.222.232.3312.35 Empfohlene Zitierweise: Christoph Kopke, Rezension zu: Katharina Stengel / Werner Konitzer (Hrsg.): Opfer als Akteure. Frankfurt a. M./New York: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29986-opfer-als-akteure_35540, veröffentlicht am 05.05.2009. Buch-Nr.: 35540 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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