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/ 17.06.2013
Peer Zumbansen

Ordnungsmuster im modernen Wohlfahrtsstaat. Lernerfahrungen zwischen Staat, Gesellschaft und Vertrag

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2000 (Internationale Studien zur Privatrechtstheorie 1); 363 S.; brosch., 56,- €; ISBN 3-7890-6928-0
Diss. Frankfurt a. M. - Dynamik und Breite der Veränderung von Staatlichkeit lassen sich gegenwärtig wohl am besten im Bereich wohlfahrtsstaatlicher Leistungen beobachten. Hier haben unterschiedliche Ansätze von Deregulierung und Privatisierung einerseits sowie vielfältige Formen öffentlich-privater Kooperationen vor dem Hintergrund von Verwaltungsmodernisierung andererseits zu einer Situation geführt, die sich nur schwer in die klassische Unterscheidung staatlicher vs. gesellschaftlicher Zuständigkeiten beziehungsweise in die Geltungsbereiche öffentlichen und privaten Rechts einfügen lässt. Zugleich erfolgt die Diskussion über diese Praktiken - das ist die Ausgangsthese Zumbansens - immer noch im Begriffshorizont des überlieferten Dualismus Staat/Gesellschaft und gerade deshalb ist "eine wechselseitige Annäherung des öffentlichen Rechts und des Privatrechts - bei allen Überschneidungen und Überlagerungen - ausgeblieben" (17). Im Rahmen einer Analyse der Thematisierungsprozesse gesellschaftlicher Ordnungsmuster unter den drei Leitbegriffen Staat, Gesellschaft und Vertrag möchte der Autor zu einer Selbstreflexion des Rechts hinsichtlich seiner "vielfältigen Steuerungs- und Regelungsaufgaben jenseits der dualistischen Zuteilung in öffentlich oder privat" beitragen (39). Nach der Auseinandersetzung mit der juristischen Programmarbeit im Kontext der Diskurse über "Staat" beziehungsweise "Gesellschaft" liegt der Schwerpunkt der Überlegungen auf dem Leitbegriff "Vertrag" (205 ff.); dabei geht es Zumbansen primär um eine Sondierung der Idee des "private ordering" als einer Form privater Selbstregulierung. Weil die Studie im hohen Maße einschlägige sozialwissenschaftliche Literatur berücksichtigt, ist sie auch für Politikwissenschaftler mit Interesse an Fragen einer Theorie des (Wohlfahrts-)Staates empfehlenswert. Inhaltsübersicht: I. Staat, Gesellschaft, Vertrag: Drei Diskurse; II. Von "Public Ordering" zu "Private Ordering"? A. Staat: I. Staatsdiskurse; II. Die wohltätige Wirkung der Versachlichung der Industriegesellschaft. B. Gesellschaft: I. Vom Wohlfahrtsstaat zur Wohlfahrtsgesellschaft?; II. Die Unterscheidung von öffentlichem Recht und Privatrecht. C. Vertrag: I. Das Vertragliche Argument; II. Private versus Public Ordering. D. Anschlüsse: I. Staat - Gesellschaft - Vertrag: Drei Ordnungsmuster; II. Jenseits von Staat und Gesellschaft.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.22.215.412.262 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Peer Zumbansen: Ordnungsmuster im modernen Wohlfahrtsstaat. Baden-Baden: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16209-ordnungsmuster-im-modernen-wohlfahrtsstaat_18591, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 18591 Rezension drucken
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