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/ 21.06.2013
Margreth Lünenborg (Hrsg.)

Politik auf dem Boulevard? Die Neuordnung der Geschlechter in der Politik der Mediengesellschaft

Bielefeld: transcript 2009 (Critical Media Studies 1); 328 S.; kart., 29,80 €; ISBN 978-3-89942-939-8
Die Autoren dieses Bandes befassen sich mit der Bedeutung des Phänomens der Boulevardisierung des Politischen in den Medien und den daraus folgenden Konsequenzen für die Geschlechterverhältnisse. Die Herausgeberin erläutert einleitend, dass sie unter Boulevardisierung eine thematische Verschiebung versteht: „Schlagworte wie Personalisierung, Privatisierung, Intimisierung oder Skandalisierung beschreiben diese Veränderungen“ (8). Im Mediendiskurs des Boulevards verlieren Sach/index.php?option=com_content&view=article&id=41317, Fakten und rationale Argumente also an Relevanz. Lünenborg, Jutta Röser, Tanja Maier, Kathrin Müller und Elke Grittmann untersuchen in einer Fallstudie den „Mediendiskurs um Merkels Dekolleté“ (73). Dieser Diskurs führte zu einer umfassenden Sexualisierung der Kanzlerin. Zur Berichterstattung der Boulevardmedien wird festgestellt, dass „Weiblichkeit und Macht hier als vereinbar“ erscheinen. Die Qualitätspresse hingegen sieht im Rückbezug auf die Weiblichkeit „die politische Handlungsfähigkeit der Kanzlerin in Frage“ (98) gestellt. So erweist sich „der Abstand zum traditionellen Stereotyp als noch immer hauchdünn“ (99). Andrea Nachtigall hingegen analysiert in ihrem Beitrag Männlichkeitskonstruktionen im „Krieg gegen den Terror“. Westliche Politiker würden in den Medien mit männlich konnotierten Eigenschaften dargestellt, der „Feind“ hingegen feminisiert oder geschlechtslos abgebildet. So werden, erläutert Nachtigall, über Männlichkeitsbilder politische Akteure auf- oder abgewertet und Handlungsoptionen legitimiert oder verworfen. Sie führt vor, dass die Remilitarisierung der deutschen Außenpolitik mit der „Metapher des Erwachsenwerdens“ (221) verbunden und von weiblicher Emotionalität abgegrenzt wurde. Über diesen Ansatz erinnert die Autorin an zahlreiche traditionelle und unselige Männlichkeitsstereotype, die derart wiederbelebt werden. Die Beiträge gehen auf eine von der Herausgeberin im September 2007 an der Freien Universität Berlin organisierte Konferenz zurück.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.222.272.612.3332.36 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Margreth Lünenborg (Hrsg.): Politik auf dem Boulevard? Bielefeld: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29938-politik-auf-dem-boulevard_35477, veröffentlicht am 29.04.2009. Buch-Nr.: 35477 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA