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/ 18.06.2013
Wolfgang Fach

Politische Ethik. Vom Regieren und Räsonieren

Opladen: Leske + Budrich 2003 (Grundwissen Politik 33); 163 S.; kart., 13,80 €; ISBN 3-8100-3536-X
Der Band richtet sich an Magisterstudenten im Hauptstudium im Teilgebiet Politische Theorie, im Vorwort wird er implizit aber auch dem „Durchschnittsbürger" zur Lektüre anempfohlen. Erklärtes Ziel des aufklärerischen „Lehrstücks" (12) ist es, den Leser auf der Basis ausgewählter Zeitungsbeiträge gegen „Aufregungsschäden" im luhmannschen Sinne zu immunisieren. Stattdessen sollen ihm Begründungsmuster an die Hand gegeben werden, über die sich sein Meinen über die Moralität des Regierens mit dem tatsächlichen politischen Machen vermitteln lasse, damit also der eigene Standpunkt solange aufgeklärt werden könne, „bis er sich nicht mehr a priori blamiert" (9). Konkret werden im ersten Teil des Textes „eine ganze Reihe von Ansätzen mehr oder minder gründlich gestreift" (11), wie beispielsweise Kants Prinzipienethik, Max Webers Verantwortungsethik, verschiedene kasuistische Überlegungen sowie der postmoderne Pragmatismus à la Rorty. Unter der Rubrik „Leute" werden Affären wie etwa Helmut Kohls Ehrenwort angeführt. Unter der Rubrik „Lagen" behandelt der Autor moralische Probleme, die sich nicht bestimmten Individuen zuordnen lassen, beispielsweise das Waldsterben, die Kopftuchfrage oder das Klonen. Fach unterscheidet zwischen politikwissenschaftlicher und philosophischer Ethik, denen es je darum gehe, vom konkret zu beurteilenden politischen Problem bzw. vom Horizont der zur Beurteilung verfügbaren Moralsysteme her zu argumentieren - und er räumt (zu Recht) ein, mit seiner „fallweisen Orientierung an alltäglicher Politik" (13) beide kaum angemessen würdigen zu können, diesbezüglich also eine „zweifach unvollständige Übung" (12) vorzulegen. Immerhin: „Man kann nicht allen alles bieten." (13) Ob aber das eigentlich angestrebte didaktische Ziel erreicht wird, darf ebenfalls bezweifelt werden. Denn wie ist dem nach Orientierung Suchenden mit einem Text geholfen, der von nicht oder nicht genau nachgewiesenen Gedanken und Zitatfetzen nur so wimmelt und (keine Übertreibung!) in jedem dritten Satz seine Begriffe salopp hinter Anführungszeichen versteckt anstatt sie in ihrer Bedeutung und Herkunft zu erklären?
Thomas Nitzsche (TN)
M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
Rubrizierung: 5.44 Empfohlene Zitierweise: Thomas Nitzsche, Rezension zu: Wolfgang Fach: Politische Ethik. Opladen: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17498-politische-ethik_20148, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 20148 Rezension drucken
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