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/ 21.06.2013
Marcel Baumann / Tamirace Fakhoury-Mühlbacher / Leslie Tramontini

Prophetenbeleidigung? Die Muhammad-Karikaturen und die Aktualität des religiösen Konfliktpotentials

Freiburg i. Br.: Arnold-Bergstraesser-Institut 2009 (Freiburger Beiträge zu Entwicklung und Politik 34); 95 S.; brosch., 8,- €; ISBN 978-3-928597-52-4
Im September 2005 wurden in der dänischen Zeitung „Jyllands Posten“ zwölf Karikaturen des Propheten Mohammed veröffentlicht. Ein halbes Jahr später eskalierte der darüber in den Medien ausgetragene Streit und führte zu Protesten und gewalttätigen Ausschreitungen in der islamischen Welt. Diese Ereignisse, die unter dem Begriff „Karikaturenstreit“ zusammengefasst werden, sind – so die Grundannahme der Autoren – „als eine verzögerte Reaktion infolge der bewussten Instrumentalisierung durch religiöse und politische Akteure zu verstehen“ (13). Sie thematisieren die historische Kontinuität des Konfliktpotenzials religiöser Symbole und erinnern dabei etwa auch an den Disput über den „gekreuzigten Frosch“ (39). Dieser verdeutliche die anhaltende Brisanz religiöser Symbole und zeige, dass sich nicht nur Muslime durch die Verulkung ihrer religiösen Symbole verletzt fühlten. Um die These von der politischen Instrumentalisierung des Konfliktpotenzials religiöser Symbole zu verdeutlichen, werden am Beispiel des Libanons, einem Land mit nicht weniger als 18 verschiedenen Religionsgemeinschaften, die gesellschaftlichen Auswirkungen des Karikaturenstreites auf die interreligiöse Koexistenz in einer Fallstudie dargestellt. Der Karikaturenstreit sei kein religiös basierter Konflikt zwischen dem Westen und der arabischen Welt gewesen und diene nicht als Beispiel für den „Clash of Civilizations“, lautet das Ergebnis der Untersuchung, die am Arnold-Bergstraesser-Institut durchgeführt und von der Deutschen Stiftung Friedensforschung gefördert wurde. Das Phänomen müsse als „Folge einer politisch motivierten und von Eliten gesteuerten Instrumentalisierung von Religion“ (37) verstanden werden. Zum einen habe die über die Medien ausgetragene Debatte, der „Prozess der Mediatisierung“, und zum anderen „die ‚Tour’ der dänischen Imame durch den Nahen und Mittleren Osten“ (22 f.) zur verspäteten Zuspitzung geführt. Aufgrund der Mediatisierung könnten solch religiöse Themen leicht zum Gegenstand politischer Instrumentalisierung werden. Daher wird, ausgehend vom Vorschlag einer libanesischen Ethik-Kommission, „die Gründung einer ‚europäisch-arabischen Ethik-Kommission’“ (87) empfohlen.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.232.22 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Marcel Baumann / Tamirace Fakhoury-Mühlbacher / Leslie Tramontini: Prophetenbeleidigung? Freiburg i. Br.: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31387-prophetenbeleidigung_37356, veröffentlicht am 28.01.2010. Buch-Nr.: 37356 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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