/ 11.06.2013
Hans-Joachim Fietkau
Psychologie der Mediation. Lernchancen, Gruppenprozesse und Überwindung von Denkblockaden in Umweltkonflikten
Berlin: edition sigma 2000; 192 S.; 29,80 DM; ISBN 3-89404-201-X"Die Bearbeitung von Konflikten durch Hinzuziehen eines Vermittlers (Mediation) ist eine sehr alte und alltägliche soziale Technik. Eltern vermitteln zwischen ihren streitenden Kindern [...], geachtete Personen des öffentlichen Lebens im politischen Parteienstreit oder auch in internationalen Spannungssituationen." (11) Erst in den neunziger Jahren gewinnt das Konzept der Mediation auch in der Bundesrepublik an Bedeutung. Fietkau beschreibt aus der Perspektive der Kognitions- und der Sozialpsychologie die Chancen und Fallen der Mediation. Im Mittelpunkt der Betrachtung steht die Verfahrensweise bei Umweltkonflikten. Inwiefern komplexe Probleme, wie z. B. der Bau einer Müllverbrennungsanlage, mediiert werden können, wird dabei untersucht. Fietkau schildert die Besonderheiten, die bei der Mediation im öffentlichen Raum auftreten. So sind dort oft Informationsasymmetrien vorhanden: In der Regel verfügt die Behörde oder der Investor über mehr Informationen als die Bürgerinitiative. Die Aufgabe eines Mediators ist es hierbei, diese Asymmetrien abzubauen und für Verfahrensklarheit zu sorgen. Die Spielregeln des Verfahrens müssen zu Beginn von der mediierenden Person festgelegt werden, denn damit ist das Fundament einer guten Konfliktbearbeitung gelegt. Die Entscheidungsfindung in Gruppen bildet ein weiteres Problem. Generell sind die Teilnehmer des Verfahrens selbst Repräsentanten einzelner Interessengruppen. Sie müssen Entscheidungen treffen, die sie später wieder in ihre Gruppen zurücktragen. Hier entstehen oft Konflikte innerhalb der entsendeten Gruppe, wobei der Autor darauf hinweist, dass die Rationalität von Entscheidungen in der Gruppe eher abnimmt. Das Wissen um individuelle und kollektive Entscheidungsfindung muss also bei der Wahl der Mediationsstrategie immer miteinfließen.
Die bekannteste Strategie der Mediation, das Harvard-Konzept, wird dargestellt und auch kritisiert. Zu sehr sei der Interessenaspekt im Vordergrund dieser Methode der Konfliktbearbeitung. Gerade im Umweltmediationsverfahren sind es jedoch Weltanschauungen, Lebensstile, Vorurteile, Denkmuster, Politikgewohnheiten usw., mit denen stärker gearbeitet werden muss. Denn niemand habe das Interesse, die Umwelt zu schädigen, so der Autor. Fietkau gelingt es, den Lesern das Verfahren der Mediation auch mit seinen Begrenzungen näher zu bringen und dieses anhand kommunalpolitischer Fälle lebensnah zu schildern.
Inhaltsübersicht: Entwicklung von Mediationsauffassungen; Die Verfahrensrealität: Prozesse und Erfolge; Konflikte; Widerstände; Konsistenzbedürfnisse; Denkblockaden; Der schwierige Umgang mit dem Risiko; Entscheidungsfindung in Gruppen; Planung und Durchführung von Mediationsverfahren; Mediationsstrategien; Kommunikation in der Mediation.
Bernhard Stelzl (BhS)
Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.33 | 2.341 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Bernhard Stelzl, Rezension zu: Hans-Joachim Fietkau: Psychologie der Mediation. Berlin: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/12029-psychologie-der-mediation_14354, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 14354
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Politikwissenschaftler.
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