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/ 07.11.2013
Artur Klosek

Quo vadis, deutsche Gewerkschaften? Herausforderungen im globalisierten 21. Jahrhundert am Beispiel der IG Metall. Aktuelle Entwicklungen und Perspektiven

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2013 (Aktuelle Probleme moderner Gesellschaften 12); 157 S.; geb., 27,95 €; ISBN 978-3-631-64256-6
Der Untergang der Gewerkschaften schien aufgrund des andauernden Mitgliederschwundes Anfang des neuen Jahrtausends schon fast beschlossen. Überraschenderweise konnte dieser Negativtrend jedoch zumindest teilweise aufgehalten werden. Dies betrifft etwa die IG Metall als größte deutsche Einzelgewerkschaft, die in den Jahren 2011 und 2012 wieder einen Mitgliederzuwachs verzeichnen konnte. Vor diesem Hintergrund zeichnet Artur Klosek nach, vor welchen Herausforderungen die IG Metall im 21. Jahrhundert steht. Zunächst arbeitet er dafür die Geschichte, die Aufgabenfelder und den Aufbau der IG Metall heraus. Er identifiziert zudem vier „Säulen der Macht“ (40), die die hohe gesellschaftliche Bedeutung der IG Metall in Deutschland erklären: die ökonomische, institutionelle und kommunikative Macht sowie die Organisationsmacht. Luzide zeigt Klosek dann auf, wie die Machtbasis durch die Globalisierungsprozesse erodiert ist. Diese haben auf die Herausbildung einer Dienstleistungsgesellschaft und die zunehmende Fragmentierung der Gesellschaft wie ein Katalysator gewirkt. Folgen waren unter anderem, dass Deutschland durch den internationalen Wettbewerb und den Anstieg der Arbeitslosenzahlen unter zunehmenden Druck geriet, was wiederum den Handlungsdruck auf die IG Metall verschärfte. Klosek zufolge haben es die Gewerkschaften verpasst, angemessene Antworten zu finden und sich in einen „stark selektiven Korporatismus“ (140) geflüchtet. So wurde versucht, vor allem die männliche Kernbelegschaft der Industriebetriebe vor den Konsequenzen des Wettbewerbsdrucks zu schützen, anstatt sich für neue Mitglieder zu öffnen. Klosek sieht jedoch seit den 2004 initiierten Reformprojekten der IG Metall eine Wende heraufziehen. Durch die Öffnung und pragmatische Lösungen während der Finanzkrise (zum Beispiel durch die Kurzarbeit) habe sich die IG Metall konsolidieren und ein positives Ansehen erlangen können. Klosek weist jedoch auch daraufhin, dass dies nicht ohne Konflikte innerhalb der Gewerkschaft geblieben ist. In den Gegenpositionen sieht der Autor jedoch keine Lösung der Probleme, da eine Politik des Protektionismus im 21. Jahrhundert zum Scheitern verurteilt sei. Wenn die IG Metall in Zukunft ihre Macht jedoch dafür einsetze, Formen einer guten Arbeit und gesunde Arbeitsbedingungen zu propagieren, so Klosek, dann sei sie auch im 21. Jahrhundert noch von Bedeutung.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3312.3422.22 Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Artur Klosek: Quo vadis, deutsche Gewerkschaften? Frankfurt a. M. u. a.: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36373-quo-vadis-deutsche-gewerkschaften_44185, veröffentlicht am 07.11.2013. Buch-Nr.: 44185 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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