/ 22.06.2013
Norman Braun / Thomas Gautschi
Rational-Choice-Theorie
Weinheim/München: Juventa Verlag 2011 (Grundlagentexte Soziologie); 366 S.; 19,95 €; ISBN 978-3-7799-1490-7Die hohe Attraktivität der unter dem Sammelbegriff Rational-Choice firmierenden Theorien in so unterschiedlichen Disziplinen wie Politikwissenschaft, Soziologie oder Ökonomie dürfte nicht zuletzt darin bestehen, dass sie einen methodischen Zugang anbieten, der fächerübergreifend an einem sehr breiten Spektrum von Themen anwendbar erscheint. Die damit „verknüpfte Einheit der Betrachtungsweise und Analysemethodik in verschiedenen sozial- und wirtschaftswissenschaftlichen Fächern“ (5 f.) sehen die Autoren als wesentliche, weiter auszubauende Stärke der Rational-Choice-Theorie an. Die Gemeinsamkeit dieser Ansätze, wie Braun und Gautschi im ersten Teil herausarbeiten, beruht auf drei Prämissen: Konzeptionell sind sie dem methodologischen Individualismus verpflichtet, also der Erklärung von Makrophänomenen aus individuellem Handeln; das zugrunde gelegte Handlungsschema orientiert sich an dem Rationalitätsprinzip und die (prognostischen) Aussagen werden typisch aus formalen Modellierungen abgeleitet. Der Band hat einen klaren Aufbau, der gleichermaßen die Zwecke eines Lehrbuchs wie die eines Nachschlagewerks erfüllt. Leitend ist die Differenz zwischen parametrischen Entscheidungssituationen – in denen wie bei Tauschvorgängen in Wettbewerbssituationen soziale Interdependenzen von den Akteuren ausgeblendet werden – und strategischen Entscheidungssituationen, bei denen die Akteure die Folgen ihres Handelns für andere kalkulierend berücksichtigen. Fragen parametrischer Entscheidungen werden dann im Rahmen der Nutzentheorie zum einen bei Sicherheit, zum anderen bei Unsicherheit über mögliche Handlungskonsequenzen erörtert. Der dritte Teil führt in die Spieltheorie ein, die strategische Entscheidungen teils an kooperativen, teils an nichtkooperativen Handlungszusammenhängen untersucht; anschließend werden spieltheoretische Ansätze an ausgewählten sozialwissenschaftlichen Fragestellungen (Netzwerk, Vertrauen, Verteilungen) auch empirisch erläutert. Ein abschließendes Kapitel setzt sich – allerdings ohne den metatheoretischen Rahmen zu verlassen – mit Problemen und Ergänzungsmöglichkeiten des Rational-Choice-Ansatzes auseinander.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.45
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Norman Braun / Thomas Gautschi: Rational-Choice-Theorie Weinheim/München: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34376-rational-choice-theorie_41280, veröffentlicht am 31.05.2012.
Buch-Nr.: 41280
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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