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/ 21.06.2013
Simon Hegelich

Reformkorridore des deutschen Rentensystems

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2006 (Analysen); 309 S.; brosch., 34,90 €; ISBN 978-3-531-14911-0
Untersuchungen über das deutsche Rentensystem folgen häufig dem Ansatz des Korporatismus, konstatiert der Autor. Dieser greife jedoch zu kurz, da er die Interessen der Akteure als gegeben voraussetze und eine konsensuale Entscheidungsfindung unterstelle. Prägend für das deutsche Rentensystem seien hingegen – so die Ausgangsthese – die Dimensionen Konsens/Konflikt und Kontinuität/Veränderung. Letztere weist auf das in der Öffentlichkeit vorherrschende Bild des Rentensystems als unbeweglicher Koloss, dem jedoch eine Vielzahl an Reformen gegenüber steht, die auf „eine sehr hohe Anpassungsfähigkeit“ (13 f.) schließen lassen. Mit seiner akteurszentrierten Politikfeldanalyse will Hegelich die Bedingungen und Grenzen des Reformprozesses, die „Reformnotwendigkeiten und Handlungsperspektiven“ (10) ausloten. Diese „Reformkorridore“ seien maßgeblich von den Interessen und Interaktionen der Akteure und den jeweils zu einem bestimmten Zeitpunkt gegebenen Gestaltungsmöglichkeiten bestimmt. Hegelich hat für seine Untersuchung die drei kollektiven Akteure Arbeitnehmerschaft, Arbeitgeberschaft und das politisch-administrative System herangezogen. Für die Analyse der Dimension Kontinuität/Veränderung gliedert er die Entwicklung des Rentensystems entlang der vergangenen Reformen in drei „Szenen“: die des Aufbaus von 1957-1972, die der Anpassung bis 1989 und die noch nicht abgeschlossene Szene der Umstrukturierung. Für jeden dieser Abschnitte werden die Interessen der drei Akteursgruppen analysiert. Im Ergebnis zeigt sich, „dass das Rentensystem bislang alles andere als unflexibel gewesen ist, da sich mit den Interessen der Akteure auch die Ausgestaltung der Rentenpolitik verändert. Aber auch die Vorstellung, das Rentensystems müsse grundlegend verändert werden, ist kritisch zu hinterfragen. [...] Denn bislang haben es alle Kollektivakteure in allen Szenen, als auch in der Szene der Umstrukturierung, vermieden, eine Position zu beziehen, die als Systembruch gewertet werden müsste.“ (272)
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3422.331 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Simon Hegelich: Reformkorridore des deutschen Rentensystems Wiesbaden: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26036-reformkorridore-des-deutschen-rentensystems_30284, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 30284 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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