/ 21.06.2013
Arnold Angenendt / Michael Pawlik / Andreas von Arnauld de la Perrière
Religionsbeschimpfung. Der rechtliche Schutz des Heiligen. Hrsg. von Josef Isensee
Berlin: Duncker & Humblot 2007 (Wissenschaftliche Abhandlungen und Reden zur Philosophie, Politik und Geistesgeschichte 42); 139 S.; 42,- €; ISBN 978-3-428-12491-6Die gewalttätigen Proteste im Februar 2006 in weiten Teilen der islamischen Welt, die sich gegen den Abdruck von Karikaturen des Propheten in einer dänischen Zeitung wandten, haben das Selbstverständnis des säkularisierten Europa erschüttert. 250 Jahre nach Voltaire darf offensichtlich wieder ernsthaft nach staatlichem Schutz der Religion vor Lästerung und Blasphemie gerufen werden. Die Autoren unternehmen eine historische und juristische Bestandsaufnahme zum Problem der Religionsbeschimpfung. Angenendt zeigt, dass die Kirche in weiten Teilen ihrer Geschichte Gewalt gegen Häretiker ablehnte, der Impuls zur Bekämpfung des Gottesfrevels vielmehr vom Staat und nicht von der Kirche ausging. Pawlik erläutert das Problem des strafrechtlichen Schutzes des Heiligen, den es in Deutschland de facto nicht gibt und für dessen Verschärfung kaum taugliche systematische Gründe anzuführen seien. Von Arnauld de la Perrière macht deutlich, dass die Religionsfreiheit aus Art. 4 GG keine Schutzpflicht des Staates gegen blasphemische Äußerungen begründen kann. Isensee verortet schließlich die Blasphemie im Koordinatensystem des säkularen Staates und vermag wenig gesetzgeberischen Raum zum Schutz vor Religionsbeschimpfung zu erkennen. Toleranz, interkulturelles Taktgefühl und sozialer Instinkt seien Verfassungserwartungen, deren Einlösung eben nicht erzwungen werden kann: „Es wäre selbstmörderische Toleranz, wenn der Verfassungsstaat der muslimischen Pression nachgäbe und die Freiheitsgarantien aus Furchtsamkeit reduzierte. Für den Zuwanderer wäre es ein wirksamer Test auf seine Integrationsbereitschaft, zu prüfen, ob er bereit ist, die Freiheit des anderen zu ertragen, selbst wenn dieser schmäht, was ihm heilig ist, und ob er davon absieht, wider die Verletzung seiner Gefühle Gewalt zu üben und nach Gewalt zu rufen.“ (139)
Sebastian Lasch (LA)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.23 | 2.21
Empfohlene Zitierweise: Sebastian Lasch, Rezension zu: Arnold Angenendt / Michael Pawlik / Andreas von Arnauld de la Perrière: Religionsbeschimpfung. Berlin: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27975-religionsbeschimpfung_32875, veröffentlicht am 31.03.2008.
Buch-Nr.: 32875
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
CC-BY-NC-SA