/ 21.06.2013
Kai Dröge / Kira Marrs / Wolfgang Menz (Hrsg.)
Rückkehr der Leistungsfrage. Leistung in Arbeit, Unternehmen und Gesellschaft
Berlin: edition sigma 2008 (Forschung aus der Hans-Böckler-Stiftung 89); 238 S.; 16,90 €; ISBN 978-3-8360-8689-9In der aktuellen soziologischen Debatte wird das Leistungsprinzip wieder intensiv diskutiert. Aber anders als in den Auseinandersetzungen der 70er-Jahre, in denen es primär um eine gesellschaftskritische Problematisierung des Leistungsbegriffs ging, steht heute der normative Gehalt des Prinzips unter zwei Gesichtspunkten im Zentrum. Auf der einen Seite werfen Kriterien sozialer Gerechtigkeit die Frage auf, ob die zunehmende soziale Ungleichheit noch durch den Bezug auf ein Prinzip legitimiert werden kann, das die Verteilung von Einkommen und Lebenschancen an individuelle Verdienste bindet. Auf der anderen Seite ist in industriesoziologischer Perspektive ein offener Punkt, welche Rolle dem Leistungsprinzip in einer post-fordistischen Ökonomie zukommt. Die Restrukturierung betrieblicher Organisationsprozesse zeigt nämlich ein ambivalentes Bild. Einerseits wird Leistung durch Forderungen nach Kreativität, Team- und Selbstorganisationsfähigkeit mehr und mehr subjektiviert. Andererseits spielen bei der Leistungsbewertung zunehmend die jeweils erzielten Marktergebnisse eine Rolle. Die Autoren wollen vor diesem Hintergrund die Redefinitionen von Leistung kritisch nachzeichnen und zugleich in den übergreifenden Kontext gesellschaftlicher Deutungskonflikte einordnen. Die Beiträge enthalten vier thematische Schwerpunkte: Zunächst geht es in eher theoretischer Perspektive um Leistung als generelles Gerechtigkeits- und Verteilungsprinzip. Anschließend werden Formen der Leistungsbewertung sowohl im betrieblichen Kontext als auch in Tätigkeitsfeldern jenseits des sogenannten Normalarbeitsverhältnisses analysiert. In zwei Beiträgen werden die Konsequenzen für die betriebliche Interessenvertretung diskutiert. Der Band vermittelt wichtige Impulse für die Auseinandersetzung über Kriterien und Grenzen von Leistungsgerechtigkeit im dynamischen Kapitalismus. Er wurde von der Hans-Böckler-Stiftung gefördert und ist aus einer 2005 gemeinsam vom Frankfurter Institut für Sozialforschung sowie dem Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung München veranstalteten Tagung hervorgegangen.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.23 | 2.35 | 2.342 | 2.331 | 2.262 | 2.22 | 2.27
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Kai Dröge / Kira Marrs / Wolfgang Menz (Hrsg.): Rückkehr der Leistungsfrage. Berlin: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29259-rueckkehr-der-leistungsfrage_34601, veröffentlicht am 16.09.2008.
Buch-Nr.: 34601
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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