/ 20.06.2013
Gerald Willms
Scientology. Kulturbeobachtungen jenseits der Devianz
Bielefeld: transcript Verlag 2005; 420 S.; kart., 29,80 €; ISBN 3-89942-330-5Diss. Göttingen; Gutachter: K. Thomas, A. Grünschloss, W. Euchner. – Der Autor widerspricht der gängigen Meinung, Scientology sei eine religiöse Sekte, deren Mitglieder mithilfe von Manipulationen und Psychotechniken dazu gebracht werden, die materiellen Interessen der Organisation zu befriedigen. Willms gibt zunächst einen Überblick über die historische Entwicklung, die Organisationsstruktur sowie über zentrale Komponenten der Scientology-Ideologie. Anschließend begründet er, warum Scientology nicht als Religion bezeichnet werden könne. Vielmehr, so zeigt er mithilfe der so genannten Kulturwertperspektive, knüpften die Ideologie und das Weltbild von Scientology in vielfältiger Weise an Wertorientierungen und Wirklichkeitsvorstellungen moderner Gesellschaften an. So betrachte Scientology Misserfolg als Ergebnis von psychischen Blockaden und falscher Programmierung des Einzelnen; ihren Anhängern verspreche die Organisation rationale professionelle Techniken zum Abbau dieser Blockaden und damit zu materiellem Erfolg. Folglich sei Scientology eben nicht als religiöser Gegenentwurf zu einer technisch-durchrationalisierten Welt zu betrachten, sondern knüpfe umgekehrt genau an moderne Normalitäts- und Wertvorstellungen an. Dementsprechend seien auch die Anhänger der Organisation nicht als deviante und labile Opfer zu betrachten, sondern vielmehr als Personen mit klaren Interessen und Handlungsorientierungen, denen Scientology eine Handlungsanweisung zur Erreichung und Realisierung gesellschaftlich erwarteter Ziele und Vorgaben biete.
Silke Becker (BE)
Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
Rubrizierung: 2.23
Empfohlene Zitierweise: Silke Becker, Rezension zu: Gerald Willms: Scientology. Bielefeld: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23477-scientology_26952, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 26952
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Dipl.-Soziologin; freie Journalistin.
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