Skip to main content
/ 23.01.2014
Stephanie Risse

Sieg und Frieden. Zum sprachlichen und politischen Handeln in Südtirol/Sudtirolo/Alto Adige

München: iudicium 2013 (Studien Deutsch 41); 226 S.; kart., 23,- €; ISBN 978-3-86205-243-1
Diss. LMU München; Begutachtung: K. Ehlich, A. Redder. – Die Autonome Provinz Bozen‑Südtirol stellt nach Ansicht von Stephanie Risse innerhalb der europäischen Staatengemeinschaft „eine eigene Form der Regelung eines historisch‑ethnischen Konflikts dar. Grundgedanke dieser Autonomieform ist die Trennung der Bürgerinnen und Bürger in Sprachgruppen“ (9). Diese Trennung war nach 1945 zum Schutz der Minderheiten im italienischen Staat konzipiert worden. Daher beziehen sich die kollektiven Schutzmechanismen auf die drei Sprachgruppen: die deutschsprachigen Südtiroler, die italienische Sprachgruppe und die Ladiner. Risse fragt, welche Folgen diese Rechtskonstruktion auf die mündliche wie schriftliche Sprachverwendung im Alltag hat. Mithilfe einer linguistischen Analyse von einzelnen Diskursen im Gemeinderat der Landeshauptstadt Bozen nimmt sie Dimensionen von Sprache(n) und Sprachlichkeit in den Blick, dabei bildet der diskurslinguistische Ansatz der Funktionalen Pragmatik die sprachtheoretische Basis der Analysen. Anhand von empirisch gewonnenen Sprachdaten werden die komplexen Verzahnungen von Sprache und Kultur unter diesen spezifischen gesellschaftlichen und institutionellen Bedingungen bestimmt und Ansätze für transnationale Mehrsprachigkeit und Interkulturalität aufgezeigt. Die Autorin gelangt zu der Erkenntnis, dass die Grenzen des komplexen Rechtssystems deutlich werden. Als Modell zur Regulierung eines Konflikts sei es sinnvoll gewesen, nicht aber zu dessen Lösung. Die Verrechtlichung der Sprachenfrage werde zunehmend als eine „Form der Überregulierung“ empfunden. „Die Aktanten agieren mehrsprachiger, als sie es von Gesetz wegen müssten“ (175), denn diese Grenzregion sei seit Jahrhunderten mehrsprachig, auch wenn die Zahl der Deutschsprechenden höher gewesen sei als die der ladinisch‑ und italienischsprachigen Bewohner. Südtirol könne eine Fülle an Beispielen liefern, wie mehrsprachige und interkulturelle Kommunikation im Alltag funktionieren kann, sodass Risse abschließend zu der Einschätzung gelangt, dass sich auf sprachlicher Ebene bereits eine „südtirolesische Identität“ (180) herausgebildet hat. Die Arbeit entstand im Rahmen des internationalen Promotionsprogramms LIPP „Sprachtheorie und Angewandte Sprachwissenschaft“ an der LMU München.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.612.222.21 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Stephanie Risse: Sieg und Frieden. München: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36641-sieg-und-frieden_44765, veröffentlicht am 23.01.2014. Buch-Nr.: 44765 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA