/ 21.06.2013
Fabian Kessl / Hans-Uwe Otto (Hrsg.)
Soziale Arbeit ohne Wohlfahrtsstaat? Zeitdiagnosen, Problematisierungen und Perspektiven
Weinheim/München: Juventa Verlag 2009 (Edition Soziale Arbeit); 247 S.; brosch., 24,- €; ISBN 978-3-7799-1228-6Die Autoren gehen davon aus, dass sich die deutsche Sozialpolitik grundlegend wandelt. Auf der Basis dieser Diagnose wird zunächst untersucht, was dieser Wandel für verschiedene Felder der Sozialen Arbeit bedeutet. Die Beschreibung der aktuellen Situation als Post-Wohlfahrtsstaat wird dabei allerdings als strittig gewertet: Der Prozess des Umbaus wohlfahrtsstaatlicher Sicherung ist nach Ansicht der Autoren noch nicht abgeschlossen und muss nicht zwangsläufig den Abbau des Wohlfahrtsstaates zum Ergebnis haben. Im Zuge dieses Prozesses werde allerdings verstärkt auf Aktivierung und Eigenverantwortung gesetzt. Nicht zuletzt die Sparmaßnahmen in der Sozialpolitik hätten massive Auswirkungen auf Klienten und Anbieter sozialer Dienstleistungen aller Art. Bedürftige dürften nun seltener mit Leistungen ohne eine Art der Gegenleistung rechnen. Soziale Arbeit werde damit zunehmend zum Unterstützer bei der Verantwortungsübernahme des Einzelnen. Im zweiten Schwerpunkt wird auf verschiedene Problemlagen eingegangen, die von Entwicklungen hin zum Post-Wohlfahrtsstaat betroffen sind. Im Zuge dessen rückt auch die Frau als Ehefrau und Mutter wieder ins Zentrum des sozialpolitischen Interesses – als Leistungserbringerin, nicht als Person, die in ihrer Selbstentfaltung auch auf sozialstaatliche Unterstützung setzen könnte. Ebenfalls in einer schwierigen Lage sind nach Ansicht der Autoren die Arbeitslosen. Unter Rückgriff auf Reziprozitätsnormen würden ihnen Angebote gemacht, die sich nur selten an ihren spezifischen Bedürfnissen orientierten und die so gut wie nie in einen Arbeitsvertrag mündeten. Vor diesem Hintergrund wird darauf hingewiesen, dass Soziale Arbeit immer auch politisch sei, sich als Profession kritisch mit ihrer Rolle und ihrem Selbstbild auseinandersetzen müsse und auch den Konflikt mit Politikern nicht scheuen dürfe. Auch wenn gerade im letzten Teil feministische und systemkritische Töne nicht fehlen, sind die kritischen Hinweise zur Lösung sozialpolitischer (und nicht wirtschaftspolitischer) Probleme durchaus konstruktiv.
Daniel Gerstenhauer (DG)
M. A., Sozialwissenschaftler, Doktorand, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.342
Empfohlene Zitierweise: Daniel Gerstenhauer, Rezension zu: Fabian Kessl / Hans-Uwe Otto (Hrsg.): Soziale Arbeit ohne Wohlfahrtsstaat? Weinheim/München: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29946-soziale-arbeit-ohne-wohlfahrtsstaat_35489, veröffentlicht am 16.06.2009.
Buch-Nr.: 35489
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M. A., Sozialwissenschaftler, Doktorand, Universität Jena.
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