/ 05.06.2013
Stefan Hornbostel (Hrsg.)
Sozialistische Eliten. Horizontale und vertikale Differenzierungsmuster in der DDR
Opladen: Leske + Budrich 1999 (Reihe "Soziologie der Politik" 2); 290 S.; kart., 44,- DM; ISBN 3-8100-2260-8Durch die Revolutionierung der Materiallage seit 1989 erlebt die Aufarbeitung der DDR-Geschichte eine Renaissance. Die Erforschung der sozialistischen Eliten befindet sich daher in der glücklichen Situation auf Mitglieder und Dokumente dieser Eliten zurückgreifen zu können, um auch das Führungspersonal in mittleren und unteren Leitungs- und Machtpositionen zu untersuchen. Deshalb zielt der Band "bewußt nicht auf die kleine Machtelite, sondern auf den Unterbau des Systems, in dessen Struktur und Funktionsweise sich Erklärungen sowohl für die Stabilität wie auch für das Scheitern jenes gesellschaftlichen Großexperiments 'Sozialismus' finden lassen" (8). Zeitlich erfassen die Beiträge die DDR-Entwicklung in ihren differenten Phasen und Generationszusammenhängen von der Nachkriegszeit bis in die Wendezeit. Methodisch kommen unterschiedliche Annäherungen zum Einsatz. Inhaltlich liegt der Schwerpunkt "auf dem Führungspersonal in der Wirtschaft und dem politischen und administrativen Personal auf lokaler und regionaler Ebene" (8). Gerade bei diesen Sub-Eliten ist eine Kontinuität erkennbar, so daß von einem generellen Elitenimport aus dem Westen nicht die Rede sein kann. "Vielmehr muß die Frage nach der Elitenkontinuität in ihrer Ambivalenz für verschiedene Ebenen und Bereiche differenziert erfaßt werden. Tendenziell scheinen die Bedingungen für eine Elitenreproduktion im ökonomischen Bereich besser gewesen zu sein als im politischen und im unteren Bereich der ehemaligen Eliten (Sub-Eliten) günstiger als an der Spitze selbst" (278).
Inhalt: Christoph Boyer: Kaderpolitik und zentrale Planbürokratie in der SBZ/DDR (1945-1961) (11-30); Lothar Mertens: Der Austausch einer Funktionselite. Die sogenannten Neulehrer in der SBZ/DDR (31-43); Matthias Wagner: Das Kadernomenklatursystem - Ausdruck der führenden Rolle der SED (45-58); Rainer Weinert: Die Wirtschaftsführer der SED: Die Abteilungsleiter im ZK im Spannungsfeld von politischer Loyalität und ökonomischer Rationalität (59-84); Sabine Lorenz: Kommunaler Elitenwandel: Rekrutierung, Zusammensetzung und Qualifikationsprofil des lokalen administrativen Führungspersonals in Ostdeutschland (85-103); Helga A. Welsh: Zwischen Macht und Ohnmacht: Zur Rolle der ersten Bezirkssekretäre der SED (105-123); Jens Gieseke: Die hauptamtlichen Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit - eine sozialistische Elite? (125-145); Dagmar Langenhan / Sabine Roß: Berufskarrieren von Frauen in der DDR und ihre Grenzen (147-162); Lothar Mertens / Dieter Voigt: Soziale Herkunft und Selbstrekrutierung der promovierten Intelligenz in der DDR (163-175); Stefan Hornbostel: Kaderpolitik und gesellschaftliche Differenzierungsmuster: Befunde aus der Analyse des Zentralen Kaderdatenspeichers des Ministerrates der DDR (177-209); Sighard Neckel: Das Sozialkapital der Survivor. Erfolgsbedingungen "persistenter" lokaler Eliten in Ostdeutschland am Beispiel einer Gemeindestudie (211-222); Hanjo Gergs / Markus Pohlmann: Ökonomische Eliten vor und nach der Wiedervereinigung: Die Selektivität des Transformationsprozesses (223-251); Anton Sterbling: Elitenbildung und Elitenwandel in Südosteuropa und der ehemaligen DDR (253-266); Peter Imbusch: Politische und ökonomische Eliten in gesellschaftlichen Transitionsprozessen. Über den Erhalt, Verlust und die Transformation von Macht (267-287).
Wilhelm Johann Siemers (Sie)
Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de, Florenz.
Rubrizierung: 2.313
Empfohlene Zitierweise: Wilhelm Johann Siemers, Rezension zu: Stefan Hornbostel (Hrsg.): Sozialistische Eliten. Opladen: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8419-sozialistische-eliten_11105, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 11105
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Dipl.-Politologe, Journalist, Redakteur der Sprachlernzeitschrift vitamin de, Florenz.
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