/ 21.06.2013
Barbara Rinken
Spielräume in der Konstruktion von Geschlecht und Familie? Alleinerziehende Mütter und Väter mit ost- und westdeutscher Herkunft
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010 (VS Research); 349 S.; brosch., 39,95 €; ISBN 978-3-531-16417-5Sozialwiss. Diss. International Gradual School of Social Science Bremen; Gutachterinnen: H. Krüger, K. Gottschall, C. Born. – In den letzten Jahrzehnten lasse sich in Deutschland ein Wandel von Geschlechterrollen und Familienformen feststellen, schreibt Rinken. Dies gelte für die Zeit vor 1989 ebenso wie für das vereinte Deutschland. Leitbilder zu Familie und Geschlecht schlagen sich auch in den familienrelevanten sozialen und rechtlichen Institutionen nieder, in denen die traditionellen Leitbilder „bis heute nachhaltige Wirkung“ (13) zeigten, so Rinken. Mit Fokus auf Alleinerziehende untersucht der Autor die Fortwirkung dieser tradierten Geschlechter- und Familienbilder, da gerade ihre Lebensform von dem bis heute geltenden Modell der Zwei-Eltern-Familie abweiche. Die Auswertung der Erzählungen Alleinerziehender über ihr Selbstbild in Bezug auf Geschlecht und Familie zeigt, dass hier erhebliche Ambivalenzen vorherrschen. So sei zwar durchaus eine Rollendistanz zu traditionellen Geschlechterbildern festzustellen, diese gehe jedoch „in der Mehrzahl der Fälle nicht mit einer Sicht einher, welche mütterliche und väterliche Eigenschaften in ihren Entwicklungspotentialen als unabhängig vom biologischen Geschlecht betrachtet“ (316). Und ebenso müsse die Distanzierung von traditionellen Geschlechterbildern eine positive Haltung gegenüber der „Ein-Eltern-Familie“ (316) bedeuten. So hätten manche Mütter zwar alle klassischerweise mit Väterlichkeit assoziierten Tätigkeiten ausgeübt, aber dennoch die Meinung vertreten, dass dem Kind gerade die väterliche Seite fehle. Rinken betont hier, dass Ambivalenz nicht Zusammenhanglosigkeit bedeute. Individuen, die in ihrer Lebensweise von der Norm abwichen, könnten beispielsweise ihre Einstellungen gerade deshalb beibehalten, um nicht in eine zu starke Konfrontation mit den dominanten Gruppen der Gesellschaft zu geraten. Der Autorin gelingt es auf differenzierte Weise, die Gleichzeitigkeit von sozialem Wandel und dem Fortwirken traditioneller Leitbilder zu beschreiben.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.35 | 2.36 | 2.331
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Barbara Rinken: Spielräume in der Konstruktion von Geschlecht und Familie? Wiesbaden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30974-spielraeume-in-der-konstruktion-von-geschlecht-und-familie_36812, veröffentlicht am 26.07.2010.
Buch-Nr.: 36812
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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