Skip to main content
/ 22.06.2013
Claudio Franzius / Franz C. Mayer / Jürgen Neyer (Hrsg.)

Strukturfragen der Europäischen Union

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2010 (Recht und Politik in der Europäischen Union 1); 358 S.; 94,- €; ISBN 978-3-8329-6369-9
Der Band bildet den Auftakt einer Reihe, die sich disziplinär übergreifend mit den wesentlichen Strukturfragen der europäischen Integration beschäftigen will. Als eine solche zentrale Strukturfrage verstehen die Herausgeber die „Neuverkopplung von Recht und Politik unter Beachtung ihrer jeweiligen Grenzen“ (34). Die Erfordernis einer Annäherung von Rechts- und Politikwissenschaft und damit einer „produktiven Irritation“ (43) unterstreicht auch Voßkuhle und zeigt die Notwendigkeit der Übertragung neuer Begriffe wie z. B. der Governance für die Rechtswissenschaften. Die Kraft der Perspektive, die ein Begriff verleihen kann, illustriert Schönberger am Beispiel der Bundeslehre und der Europäischen Union. Wo andere sich in der Polarität zwischen Bundesstaat und Staatenbund verlieren, offeriert er im Rückgriff auf die Bundeslehre den „Bund“, um die EU juristisch zu kategorisieren. Der Vorteil dieses Begriffes liege darin, die EU nicht als Gebilde sui generis zu bezeichnen, sondern als eine Form der föderativen Einigung zu klassifizieren. Dadurch wäre das Problem des Föderalismus, die Einheit in Vielfalt oder die Vielfalt in Einheit begrifflich auszudrücken, deutlich vereinfacht und es ginge nicht um das „oder“ sondern um das „und“. Mag man dieser Herangehensweise auch einen mangelnden normativen Kompass vorwerfen – dieser wäre demokratietheoretisch neu zu entwickeln – der Vorteil der gewählten Bundesperspektive liegt auf der Hand: Es ist der von Zeit zu Zeit so notwendige kluge Schritt zurück, um ein Problem besser zu erkennen und zu verstehen. Dieser Schritt wird auch den interessierten Lesern empfohlen, denn der aus einer Tagung der Friedrich-Ebert-Stiftung 2009 zum Inkrafttreten des Lissabon-Vertrages hervorgegangene Band vereint eine gewaltige Breite von interdisziplinären Ansätzen zur Untersuchung der Strukturfrage der EU. Dies führt dazu, dass die Beiträge häufig den Charakter von Statements erhalten, und doch gleichzeitig einen gelungenen Überblick über den aktuellen Forschungsstand im Spannungsfeld zwischen Politik- und Rechtswissenschaft bietet.
Jens Wassenhoven (JWN)
Dipl.-Kfm., Dr., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 3.23.3 Empfohlene Zitierweise: Jens Wassenhoven, Rezension zu: Claudio Franzius / Franz C. Mayer / Jürgen Neyer (Hrsg.): Strukturfragen der Europäischen Union Baden-Baden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33702-strukturfragen-der-europaeischen-union_40364, veröffentlicht am 10.05.2011. Buch-Nr.: 40364 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA