/ 22.06.2013
Werner Seppmann
Subjekt und System. Der lange Schatten des Objektivismus. Zum Gedenken an Leo Kofler (1907-1995). Hrsg. von Willi Baer und Karl-Heinz Dellwo
Hamburg: LAIKA Verlag 2011 (LAIKAtheorie); 300 S.; 21,- €; ISBN 978-3-942281-95-9Beginnen wir mit dem kritikwürdigsten Aspekt dieses Buches: Die Ausführungen wimmeln von Tipp- und Grammatikfehlern, die Kommasetzung erscheint teils willkürlich, ebenso wie die nicht zu erklärende wahllose Abwechslung von alter und neuer deutscher Rechtschreibung. Das ist ärgerlich, weil es den Lesefluss eines Buches erheblich behindert, das ansonsten eine Thematik aufgreift, die ebenso spannend wie diskussionswürdig und -anregend sein kann. Der Hauptteil des Buches ist die nahezu unveränderte Neuauflage eines Titels von 1993 („Subjekt und System. Zur Kritik des Strukturmarxismus“), die „nur wenige stilistische Korrekturen (sic!) und inhaltliche Ergänzungen“ (43) enthält. Ergänzt wird der Wiederabdruck um drei neue Kapitel. Inhaltlich wendet sich Seppman (in teils scharfem Ton) gegen die sogenannte Neue Marx-Lektüre, die den Althusser’schen Strukturmarxismus und dessen Missachtung wesentlicher Grundlagen der Marx’schen Theorie größtenteils unkritisch übernommen habe und damit einen Determinismus reproduziere, der hinter die Marx’schen Einsichten vom Verhältnis zwischen Subjekt(en) und gesellschaftlich vorgefunden Strukturen sowie der Rolle dieses Verhältnisses für die Geschichtsentwicklung zurückfalle. Viele der Einwände des Autors sind durchaus gerechtfertigt und werden mit differenzierten und detaillierten Argumentationen unterstrichen. Allerdings arbeitet er zu diesem Zwecke oftmals mit unzulässigen Pauschalisierungen und nimmt wenig Notiz von poststrukturalistischen Autoren, die bereits ähnliche Kritik am Althusser’schen Objektivismus geübt und darauf basierend differenzierte Weiterentwicklungen vorgenommen haben. In diesem Sinne fällt eine Bewertung zwiespältig aus: Das Buch enthält durchaus viele interessante und auch richtige Argumentationsstränge und in seiner Funktion als theoretische Streitschrift mag man dem Autor die teils harschen Töne eventuell noch verzeihen; Anknüpfungspunkte für einen konstruktiven Dialog zu finden, fällt hingegen eher schwer – aber ein solcher scheint auch nicht unbedingt im primären Interesse des Autors zu liegen.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.45
Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Werner Seppmann: Subjekt und System. Hamburg: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33832-subjekt-und-system_40537, veröffentlicht am 23.06.2011.
Buch-Nr.: 40537
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Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
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