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/ 20.06.2013
Uwe Müller

Supergau Deutsche Einheit

Berlin: Rowohlt 2005; 256 S.; brosch., 12,90 €; ISBN 3-87134-523-7
Der langjährige Ostdeutschland-Korrespondent der Tageszeitung „Die Welt“ setzt sich umfassend mit den wirtschaftlichen Aspekten des innerdeutschen Vereinigungsprozesses auseinander. Dem Verfasser geht es darum, „verantwortungsloses Handeln im Osten und fatale Ignoranz im Westen gleichermaßen anzuprangern. Nicht deutsch-deutsche Befindlichkeiten und wolkige Phantasien von innerer Einheit sind entscheidend, sondern harte Fakten“ (11). Diese werden zuhauf präsentiert. Dabei steht die Darstellung folgender – nach Ansicht des Autors offensichtlicher – Aspekte im Vordergrund: die „Geburtsfehler“ der Deutschen Einheit, die „demographische Katastrophe“ (v. a. in Ostdeutschland), die „Schuldenfalle“, die „Jobmisere“, die oft unsinnige Verwendung von Fördermitteln und die zunehmende Entsolidarisierung zwischen Ost und West. Müllers Diagnose ist durchweg negativ, wobei die Argumentation mit zahlreichen Wirtschaftsdaten untermauert wird. Abschließend werden mögliche Reformansätze präsentiert, die an die mittlerweile fast schon wieder vergessenen Vorschläge der „Dohnanyi-Kommission“ erinnern. Zur Verhinderung eines anhaltend existenten „Mezzogiorno ohne Mafia“ (Helmut Schmidt) sei der bisherige Solidarpakt durch „Leistungsanreize und Wettbewerbselemente“ (230) zu ersetzen, wobei konkret die „Rodung des Förderungsdickichts“ (231), die Verhinderung weiterer Verschuldung, die Beendigung der ostdeutschen „Kleinstaaterei“ (233) und die Schaffung von „Sonderwirtschaftszonen“ (236) mit Wettbewerbsvorteilen gefordert werden. Verschließe man sich dieser Einsicht, werde „der Westen [...] dem Osten in den Abgrund folgen“ (241). Auch wenn man diese Ansichten nicht teilt, liegt der Nutzen des Buches gerade in der verständlich und teilweise polemisch formulierten „Radikalität“ von Diagnose und Reformansatz. Zwar stört die bisweilen unzureichende Belegweise, als bewusst einseitige Streitschrift ist Müllers Beschreibung eines „Supergaus“ jedoch gelungen und lesenswert.
Markus Linden (LIN)
Dr., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, SFB 600 - Teilprojekt C7 "Die politische Repräsentation von Fremden und Armen", Universität Trier.
Rubrizierung: 2.32.3152.3252.342 Empfohlene Zitierweise: Markus Linden, Rezension zu: Uwe Müller: Supergau Deutsche Einheit Berlin: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/23754-supergau-deutsche-einheit_27304, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 27304 Rezension drucken
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