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/ 21.06.2013
Robert Kretzschmar / Clemens Rehm / Andreas Pilger (Hrsg.)

1968 und die Anti-Atomkraft-Bewegung der 1970er-Jahre. Überlieferungsbildung und Forschung im Dialog

Stuttgart: Verlag W. Kohlhammer 2008 (Werkhefte der staatlichen Archivverwaltung Baden-Württemberg Serie A, 21); 194 S.; 19,50 €; ISBN 978-3-17-020708-0
„Sowohl für 1968 als auch zur Anti-AKW-Bewegung gibt es eine kaum zu überblickende Masse an Unterlagen, Dokumenten und Selbstzeugnissen. Aber welche davon sind aussagekräftig?“ (11), fragen die Herausgeber. In diesem Band gehe es also nicht um die historische Bewertung zeitgeschichtlicher Phänomene, sondern um „die Quellen, deren kritische Auswertung im weiteren Prozess der Historisierung an Gewicht noch gewinnen wird“ (13). In den einführenden Beiträgen schreiben Kretzschmar über die archivarische Überlieferungsbildung sowie Pilger über die Multiperspektivität der Geschichtsbilder der Archive und der Forschung. Die Aufsätze des ersten Hauptteils zur Frage „1968 – Was bleibt von einer Generation?“ wurden erstmals auf einem Kolloquium vorgestellt, das im Februar 2007 vom Landesarchiv Baden-Württemberg veranstaltet wurde. Der zweite Teil geht auf eine Veranstaltung des Verbandes deutscher Archivarinnen und Archivare auf dem 46. Historikertag 2006 in Konstanz zurück, zentrales Thema war die Anti-AKW-Bewegung in den 70er-Jahren. Es zeigt sich, dass die Archivierung von diesen Quellen sehr vielfältig unter verschiedenen Schwerpunkten stattfindet, thematisiert werden neben den Geschichtsbildern der Wissenschaft u. a. die Betrachtung der Ereignisse aus umwelthistorischer Perspektive sowie die Überlieferungsbildung in den Archiven der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten und im Grünen-Archiv. Bei dieser mit den Beiträgen insgesamt angestrebten Evaluierung des Standes der Quellensicherung zeigen sich auch weiße Flecken, die Wolfgang Kraushaar beispielhaft am Nachlass von Rudi Dutschke, den Quellen zur Kommuneforschung und am Bestand des Sozialistischen Anwaltskollektivs aufzeigt. Insgesamt sei es problematisch, an Primärquellen der 68er-Bewegung zu gelangen, schreibt er. Daraus lasse sich folgern, dass die Aufmerksamkeit für die Texterzeugnisse bestimmter Akteure und Bewegungsströmungen ein Verständnis für deren besondere Relevanz voraussetze. Außerdem falle es nicht wenigen ehemaligen Akteuren nach wie vor schwer, sich von den „Schätzen einer bewegten Vergangenheit“ (103) zu trennen.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3132.331 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Robert Kretzschmar / Clemens Rehm / Andreas Pilger (Hrsg.): 1968 und die Anti-Atomkraft-Bewegung der 1970er-Jahre. Stuttgart: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30362-1968-und-die-anti-atomkraft-bewegung-der-1970er-jahre_36033, veröffentlicht am 24.03.2009. Buch-Nr.: 36033 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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