/ 06.02.2014
Ulf Brunnbauer / Hannes Grandits (Hrsg.)
The Ambiguous Nation. Case Studies from Southeastern Europe in the 20th Century
München: Oldenbourg Verlag 2013 (Südosteuropäische Arbeiten 151); 480 S.; Ln., 59,80 €; ISBN 978-3-486-72296-3Die Staatenlandschaft Südosteuropas hat sich ausgehend vom Zerfall Jugoslawiens und der Sowjetunion seit 1991 entscheidend verändert. An die Stelle der zweiten jugoslawischen Republik sind heute sieben unabhängige Länder getreten. Die damit einhergehenden, oft mehrdeutigen Nations‑ und Staatsbildungsprozesse stehen im Mittelpunkt des von den Südosteuropahistorikern Ulf Brunnbauer (Regensburg) und Hannes Grandits (Berlin) herausgegebenen Bandes. Darin resümieren sie die Ergebnisse eines mehrjährigen Forschungsprojekts, das solche Prozesse in Bosnien und Herzegowina, Moldawien, Montenegro und Mazedonien seit dem Zweiten Weltkrieg in den Blick nahm. Die Ergebnisse wurden auf einer Tagung in Chi?in?u im Oktober 2009 präsentiert. Den Ausgangspunkt der Überlegungen bildet das Projekt „Skopje 2014“, das die programmatische Umgestaltung des Zentrums der mazedonischen Hauptstadt im Sinne einer vorgeblichen Nationalidentität zum Ziel hat. Davon ausgehend zeigen die Herausgeber vier Felder von Ambiguität in Nationsbildungsprozessen auf: das Verhältnis von Machtpolitik und Nation Building, die Rolle von Intellektuellen in solchen Prozessen, die Darstellung der Nation in der populären Kunst und Kultur sowie ihre symbolische Repräsentation. Bereits für die Zeit vor 1991 sind für die Region zahlreiche Nationalisierungstendenzen zu verzeichnen, die teilweise bewusst von den kommunistischen Parteien mit angestoßen wurden. Vor allem die Sowjetunion kann damit als ein „Inkubator für neue nationale Identifikationen“ (20) verstanden werden. Holm Sundhaussen wendet sich gegen die Vorstellung der Existenz von „natürlichen“ und „künstlichen“ Nationen: „Das einzige angemessene Kriterium für die Existenz einer Nation ist das nationale Bewusstsein ihrer Mitglieder.“ (52) Dieser theoretische Rahmen wird in 17 Untersuchungen von Wissenschaftler_innen aus den untersuchten Länden konkretisiert, wobei auch das Verhältnis von Elitenkonzeptionen und Alltagspraktiken beleuchtet wird. (Nationale) Identität erscheint dabei mit Sundhaussen als „Beispiel für die allgegenwärtige Wechselbeziehung von Gegensätzen“ (50).
Martin Munke (MUN)
M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Hilfskraft, Institut für Europäische Studien / Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.61 | 2.23 | 2.22 | 2.24
Empfohlene Zitierweise: Martin Munke, Rezension zu: Ulf Brunnbauer / Hannes Grandits (Hrsg.): The Ambiguous Nation. München: 2013, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/36708-the-ambiguous-nation_44880, veröffentlicht am 06.02.2014.
Buch-Nr.: 44880
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M. A., Europawissenschaftler (Historiker), wiss. Hilfskraft, Institut für Europäische Studien / Institut für Europäische Geschichte, Technische Universität Chemnitz.
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