/ 24.03.2016
Ingi Iusmen / Helen Stalford (Hrsg.)
The EU as a Children's Rights Actor. Law, Policy and Structural Dimensions
Opladen u. a.: Barbara Budrich Publishers 2016; 331 S.; 42,- €; ISBN 978-3-8474-0193-3Politikwiss. Diss. Genf; Begutachtung: P. Sciarini. – Setzt sich die Europäische Union ausreichend für den weltweiten Schutz von Kinderrechten ein? Dies ist eine der zentralen Fragen, die die Herausgeberinnen in einem interdisziplinären Dialog mit Akteur_innen aus verschiedenen gesellschaftlichen Sektoren diskutiert haben. Zur Vorbereitung des Projekts wurde von 2013 bis 2015 eine internationale Seminarreihe mit dem Titel „‚European Responses to Global Children's Rights Issues: Exchanging Knowledge and Building Capacity‘“ (5) abgehalten, in deren Rahmen auch Kinder und Jugendliche zu Wort gekommen sind. Einführend stellen die Herausgeberinnen in ihrem Beitrag die Hintergründe der EU‑Kinderrechtsaktivitäten vor: Die 1989 von der UN‑Generalversammlung angenommene Kinderrechtskonvention sei inzwischen die am häufigsten ratifizierte Menschenrechtskonvention überhaupt. Seit Mitte der 2000er‑Jahre habe sich die EU verstärkt um die Durchsetzung der Kinderrechte inner‑ und außerhalb der Union bemüht, dies sei im Sinne ihrer außenpolitischen Strategie als „‚normative power‘“ (11) geschehen. Eleanor Drywood beleuchtet in ihrem Beitrag die Frage, ob die EU nicht stärker eingreifen sollte, wenn minderjährige Fußballspieler aus dem Ausland von EU‑Clubs angeworben werden. Die Praxis, dass sogenannte Spielerberater Jugendlichen eine Profikarriere in EU‑Ländern in Aussicht stellen, um sie für Provisionen weiterzuvermitteln, wird von Kritikern als moderne Form der Sklaverei beziehungsweise des Menschenhandels bezeichnet. Die Autorin fordert, dass die EU, wenn sie nicht an Glaubwürdigkeit in ihrem Engagement für Kinderrechte verlieren wolle, der Fußballindustrie mit strenger Regulierung entgegentreten müsse. Nuno Ferreira untersucht die Rolle der EU im Bereich der Kinderarbeit. Die Debatte konzentriere sich zwar auf das Ausland, aber auch innerhalb der EU existiere das Phänomen: Der Autor zitiert eine Zahl von bis zu 7,5 Millionen Kinderarbeitern innerhalb der Union. Sie arbeiten zum Beispiel informell als Hausangestellte, in der Landwirtschaft, müssen kriminelle Handlangerdienste verrichten oder sich prostituieren. Auf diese Weise geraten sie oftmals in einen lebenslangen Teufelskreis prekärer Beschäftigungsverhältnisse. Deshalb und als weltweites Signal, so der Autor, müsse die EU strenger und konsequenter gegen Kinderarbeit vorgehen.
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Rubrizierung: 3.5 Empfohlene Zitierweise: Wolfgang Denzler, Rezension zu: Ingi Iusmen / Helen Stalford (Hrsg.): The EU as a Children's Rights Actor. Opladen u. a.: 2016, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/39551-the-eu-as-a-childrens-rights-actor_46815, veröffentlicht am 24.03.2016. Buch-Nr.: 46815 Inhaltsverzeichnis Rezension druckenCC-BY-NC-SA