/ 21.06.2013
Sonja Puntscher Riekmann / Wolfgang Wessels (Hrsg.)
The Making of a European Constitution. Dynamics and Limits of the Convention Experience
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2006; 268 S.; softc., 32,90 €; ISBN 978-3-531-14970-7In der Entstehungsgeschichte des Bandes spiegelt sich sein schwieriger Gegenstand. Aus einem größeren Projekt über die Konstitutionalisierung der EU entstanden, konnte zu Beginn der Arbeiten – während der Verhandlungen des Verfassungskonventes – noch Optimismus herrschen, der im Lichte der Referenda in Frankreich und den Niederlanden rasch in einen Krisendiskurs umschlug. Insofern haben die im Untertitel benannten „Grenzen“ der Konventsmethode offenbar einen anderen Hintergrund als bei Projektbeginn gedacht. Dass die gegenwärtige Krise in der Integrationsgeschichte allerdings kein singuläres Phänomen ist, stellen die Herausgeber dezidiert heraus: Das Ziel des Buches sei es, die Relevanz des Prozesses der Konstitutionalisierung zu dokumentieren und darauf hinzuweisen, dass auch in den Nationalstaaten der Weg zur Verfassung ein zuweilen widersprüchlicher war. Im ersten Teil des Bandes geht es um die Analyse der politischen Verhandlungsprozesse, die über den deutschen Vorstoß in Richtung einer Finalisierung der Integration (Joschka Fischer) über den Konvent und die Regierungskonferenz bis zur Ratifizierungskrise reichten. Dass die Konstitutionalisierung auch ohne ein als Verfassung deklariertes Dokument weitergeht, betont Peters in ihrem Beitrag, während Maurer argumentiert, dass der Modus der Deliberation seine Wirkung im Konvent lediglich im Schatten des zwischenstaatlichen Bargaining entfalten konnte. Im zweiten Teil steht die Frage im Vordergrund, welche Einflussgrößen das konkrete Design des Verfassungsvertrages geformt haben. Dabei werden die verfassungspolitischen Traditionen in Österreich, Frankreich, Deutschland und Großbritannien ebenso analysiert wie die Sichtweisen von Abgeordneten aus nationalen Parlamenten und dem Europäischen Parlament. Darüber hinaus geht es um die Bedeutung der Öffentlichkeit und die Europadiskurse in der Post-Nizza-Phase.
Wilhelm Knelangen (WK)
Dr., wiss. Ass., Institut für Sozialwissenschaften (Bereich Politikwissenschaft), Universität Kiel.
Rubrizierung: 3.2 | 3.4 | 2.21 | 2.22
Empfohlene Zitierweise: Wilhelm Knelangen, Rezension zu: Sonja Puntscher Riekmann / Wolfgang Wessels (Hrsg.): The Making of a European Constitution. Wiesbaden: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/26039-the-making-of-a-european-constitution_30287, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 30287
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Dr., wiss. Ass., Institut für Sozialwissenschaften (Bereich Politikwissenschaft), Universität Kiel.
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