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/ 04.06.2013
Udo Wengst

Thomas Dehler 1897-1967. Eine politische Biographie

München: R. Oldenbourg Verlag 1997 (Eine Veröffentlichung des Instituts für Zeitgeschichte und der Kommission für Geschichte des Parlamentarismus und der politischen Parteien); 435 S.; 78,- DM; ISBN 3-486-56306-8
Dehler gehörte als Mitglied des Parlamentarischen Rates zu den Gründungsvätern der Bundesrepublik Deutschland und hatte entscheidenden Anteil am Aufbau der FDP, deren Vorsitzender er von 1954 bis 1957 war. Er stand der FDP-Fraktion vor (1953 bis 1956) und war von 1949 bis 1953 Bundesjustizminister sowie von 1960 bis 1962 Vizepräsident des Deutschen Bundestages. Dennoch: "[W]irkliche politische Erfolge hat Dehler Zeit seines Lebens kaum errungen" (351), so daß er sich "1967 mit einiger Berechtigung als gescheiterter Politiker fühlen konnte" (352). Wenn man sich seiner erinnert, dann wegen einiger großer Reden, aber auch wegen solcher Reden, "mit denen er Freund und Feind irritierte, weil er sich immer wieder zu Äußerungen hinreißen ließ, [... so] daß nachträgliche Richtigstellungen unumgänglich schienen" (8). Dennoch resümiert Wengst, daß Dehler zu den Männern und Frauen gezählt werden muß, die einen wesentlichen Beitrag zum Aufbau und zur Stabilisierung der Bundesrepublik geleistet und mit dafür gesorgt haben, daß das Ziel eines demokratischen deutschen Nationalstaates nicht in Vergessenheit geriet. Inhalt: 1. Anfänge (1897-1925): Prägungen in der Kindheit und Schulzeit; Kriegsteilnahme, Studium, Berufseinstieg; Erste Schritte in der Politik. 2. Rechtsanwalt in Bamberg (1926-1945): Die Weimarer Jahre; Im Dritten Reich. 3. In Justiz und Politik unter Besatzungsherrschaft (1945-1949): Erfahrungen und erste Aktivitäten nach dem Zusammenbruch; Generalstaatsanwalt, Generalankläger, Oberlandesgerichtspräsident; FDP-Vorsitzender und Landtagsabgeordneter in Bayern; Verfassungsgebung in München und Bonn. 4. Bundesjustizminister (1949-1953): Ernennung zum Minister, Aufbau und Kompetenzen des Ministeriums; Errichtung des Bundesgerichtshofes und des Bundesverfassungsgerichts; Befriedung der Gesellschaft und Schutz der Demokratie; Querelen in der FDP; Im Streit und umstritten; Westverträge und Bundesverfassungsgericht; Der Ministersturz. 5. FDP-Fraktions- und Parteivorsitzender (1953/54-1956): Die Übernahme der neuen Ämter; Außenpolitische Kursänderung; Der Bruch mit Adenauer: Die Auseinandersetzung über das Saarstatut; Andauernde Konflikte in Partei und Koalition; Die Spaltung der Fraktion und das Ende der Koalition; Machtverlust und Kandidaturverzicht. 6. Ausklang (1957-1967): Im politischen Abseits; Bundestagsvizepräsident und Parteipolitiker zwischen Hoffnung und Enttäuschung.
Heinz-Werner Höffken (Hö)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg.
Rubrizierung: 2.32.3132.331 Empfohlene Zitierweise: Heinz-Werner Höffken, Rezension zu: Udo Wengst: Thomas Dehler 1897-1967. München: 1997, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/6023-thomas-dehler-1897-1967_8198, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 8198 Rezension drucken
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