/ 21.06.2013
Felix Hörisch
Unternehmensmitbestimmung im nationalen und internationalen Vergleich. Entstehung und ökonomische Auswirkungen
Berlin: Lit 2009 (Policy-Forschung und Vergleichende Regierungslehre 8); 290 S.; 24,90 €; ISBN 978-3-643-10296-6Politikwiss. Diss. Heidelberg; Gutachter: U. Wagschal, M. G. Schmidt. – „Heute reicht es nicht mehr aus, Mitbestimmung soziologisch oder demokratietheoretisch zu begründen. Im Gegenteil: Die Befürworter der Mitbestimmung scheinen deren ökonomische Effizienz nachweisen zu müssen“ (9), schreibt Hörisch und nimmt für seine Studie eine politökonomische Perspektive ein. Drei Fragen leiten seine empirisch-analytische Untersuchung: Erstens wird auf der Grundlage gängiger Staatstätigkeitstheorien gefragt, warum einige der westlichen Industriestaaten in den 70er-Jahren Unternehmensmitbestimmung eingeführt haben und andere nicht. Aus der bi- und multivariaten Analyse verschiedener möglicher Einflussfaktoren, die der Autor für 32 EU- und OECD-Staaten durchführt, erweisen sich die beiden Variablen Streikquote und Kabinettssitzanteil linker Parteien als ausschlaggebend für die Einführung von Unternehmensmitbestimmungssystemen. Zudem verhielten sich einmal eingeführte Mitbestimmungsregime „erstaunlich stabil“ (109). Zweitens fragt Hörisch, ob die Mitwirkung von Arbeitnehmern im Aufsichtsrat zu einer anderen Unternehmenspolitik führt. Er untersucht auf der Basis der Property-Rights-Theorie die Auswirkungen der Aufsichtsratsmitbestimmung auf die ökonomische Performanz deutscher Unternehmen. Die dritte Forschungsfrage ist den makroökonomischen Auswirkungen (Wirtschaftswachstum, Einkommensverteilung sowie Arbeitslosen- und Beschäftigungsquote) gewidmet und stützt sich zusätzlich zur Property-Rights-Theorie auf den Varieties-of-Capitalism-Ansatz. Aus der Vielzahl von Einzelbefunden, die der Autor mit seinen Analysen erbracht hat, lassen sich die Auswirkungen der Unternehmensmitbestimmung „insgesamt ambivalent bewerten“ (245) und verweisen weder auf eine rein positive noch auf eine rein negative Rolle. Sie deuten aber darauf hin, so Hörisch, „dass es sich bei der Unternehmensmitbestimmung um eine Institution handelt, die auf Kosten von etwas Effizienz ein höheres Maß an Verteilungsgerechtigkeit schafft“ (246).
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.21 | 2.22 | 2.262 | 2.342 | 2.331
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Felix Hörisch: Unternehmensmitbestimmung im nationalen und internationalen Vergleich. Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31490-unternehmensmitbestimmung-im-nationalen-und-internationalen-vergleich_37487, veröffentlicht am 25.01.2010.
Buch-Nr.: 37487
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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