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/ 05.06.2013
Daniela Dahn

Vertreibung ins Paradies. Unzeitgemäße Texte zur Zeit

Reinbek: Rowohlt 1998 (rororo aktuell); 207 S.; 12,90 DM; ISBN 3-499-22379-1
Die Berliner Journalistin hat schon in früheren Publikationen jenen Ostdeutschen eine formulierungssichere Stimme verliehen, denen der Verlauf der deutschen Einigung gleichermaßen als rabiate Privatisierung ostdeutschen Volkseigentums wie als Anpassungszwang an westliche Mentalitäten erschienen ist. Der neue Band enthält 31 kürzere Texte, Feuilletons, Reportagen und Essays, die - mit Ausnahme von sieben Erstbeiträgen - zwischen 1990 und 1998 überwiegend in Zeitschriften und Tageszeitungen veröffentlicht worden sind. Die Texte könnten zum einen - vielleicht eher aus westlicher Sicht - als Zeugnisse kultureller Differenzen zwischen den alten und den neuen Bundesländern gelesen werden. Für die Autorin steht dabei offensichtlich die unterschiedliche Buchstabierung von sozialer Chancengleichheit im Mittelpunkt. Zum anderen stellen die Aufsätze indes - und zum Teil eher resignativ anmutende - Versuche dar, sich im Medium der Öffentlichkeit "gegen die unaufhörlichen Vereinnahmungen zu wehren" (16). In beiden Hinsichten sind die Texte ernst zu nehmen; auch wenn man dem stets durchscheinenden, allein kapitalismuskritisch ansetzenden Erklärungsmuster der "inneren Uneinigkeit" (146 ff.) nicht soviel zutraut wie die Autorin. Inhalt: Was nun nicht zusammenwächst, gehört nicht zusammen. Eine Einstimmung; Unbesiegbares Denkmal; Wir Zettelfalter; Das fossilierte Geheimnis; Er zeigt nicht die genügende Subordination. Eine Ausreiser-Karriere; Zwiegespräch; Mauer durch Kopf und Herz. Diagnosen vom west-östlichen Divan; Ende schlecht, alles schlecht; Wer will reden?; 40 Jahre Traum haben eben nicht gereicht; Sozusagen; Über kulturlose Versuche kultureller Vereinheitlichung. Anpassungszwänge im Beitrittsgebiet; Ein Tabu bei West-Frauen; Eine deutsche Straße? Die Oranienburger in Berlin-Mitte. Unzeitgemäße Gedanken über ostdeutsche Identität; War die deutsche Vereinigung eine Sternstunde der Demokratie?; Viva Sant Marco; Mischt euch ein! Rede zur Jugendweihe; Der Osten muß nicht dankbar sein; Volksherrschaft. Plädoyer für einen dritten Weg; Wie ich zum Zensor wurde; Aus der Zuschauerdemokratie heraustreten. Antwort an die Kritiker der Erfurter Erklärung; Im Westen was Neues? Impressionen von einer Lesereise; Thesen zur inneren Uneinigkeit; Und sie bewegt sich doch?; Nur Unfreie verzichten freiwillig auf die sozialen Menschenrechte; Wut tut gut!; Der Waschzwang des Staates oder Wem gehört die Gauck-Behörde?; Eine beispiellose Tragödie? Zum neuen Urteil über die alten Waldheim-Prozesse; Der Teufelskreis der Geschichte. Ein Plädoyer für Michael Kohlhaas; Die jähen Wendungen.
Thomas Mirbach (Mir)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.32.313 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Daniela Dahn: Vertreibung ins Paradies. Reinbek: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/7876-vertreibung-ins-paradies_10448, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10448 Rezension drucken
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