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/ 21.06.2013
Theresa Wobbe / Ingrid Biermann

Von Rom nach Amsterdam. Die Metamorphosen des Geschlechts in der Europäischen Union

Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009; 218 S.; brosch., 24,90 €; ISBN 978-3-531-15323-0
In dieser soziologischen Studie wird ein Bogen von den Gründungsverträgen der EG bis zum Amsterdamer Vertrag 2007 gespannt. Im Mittelpunkt steht die Frage, unter welchen Bedingungen sich die bereits im EWG-Vertrag verankerte supranationale Norm der Gleichberechtigung von Frauen und Männer herausgebildet hat, wie sie ausgeweitet und transformiert wird. Dabei deuten die Autorinnen, theoretisch gestützt auf eine Kombination neo-institutionalistischer Theorien, den „Wandel des Geschlechterskripts“ als „Teil einer supranationalen Umcodierung der Gleichheit […] in einem globalen Kontext“ (29). Aus John Meyers makrosoziologischem world-polity-Ansatz übernehmen sie die Annahme, dass institutionelle Strukturen – hier die Norm der Gleichstellung, die als supranationales Gleichberechtigungsskript wirksam wird – zu weltweiten gesellschaftlichen Diffusions-, Angleichungs- und Inklusionsprozessen führen. Dem historischen Institutionalismus zufolge lassen sich die heutigen Geschlechternormen der EU kausal auf die Gründungsereignisse zurückführen. In den einzelnen Kapiteln wird mit großer historischer Tiefenschärfe nachgezeichnet, wie sich die Geschlechternorm gewandelt hat und der heutige Gender-Acquis sowie schließlich ein umfassender Antidiskriminierungsansatz entstanden ist. Dabei wird auf die Regierungskonferenzen, den Aufbau von administrativen Strukturen in der Kommission, die Rolle des Europäischen Gerichtshofs sowie des Europäischen Parlaments eingegangen. Vermittelt über den Mechanismus der Komplementarität findet der Ausbau supranationaler Kompetenzen einen Niederschlag in einer Verstärkung der Gleichheitsnorm. Diese wird einerseits zusätzlich über die Entwicklung von soft law ausgedehnt und konkretisiert, gerät andererseits zunehmend in den Sog des Binnenmarktes. In der Gesamtschau werden Ungleichzeitigkeiten und Brüche in der Entwicklung deutlich. Erkennbar wird, wie die EG/EU-Geschlechterpolitik stets von einer globalen normativen Rationalitätsstruktur gerahmt war und durch institutionelle Strukturbildung auf supranationaler Ebene verfestigt wurde.
Gabriele Abels (GAB)
Prof. Dr., Professur für Innen- und EU-Politik, Universität Tübingen.
Rubrizierung: 3.13.33.5 Empfohlene Zitierweise: Gabriele Abels, Rezension zu: Theresa Wobbe / Ingrid Biermann: Von Rom nach Amsterdam. Wiesbaden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28137-von-rom-nach-amsterdam_33086, veröffentlicht am 17.03.2009. Buch-Nr.: 33086 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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