/ 18.06.2013
Michael Mitterauer
Warum Europa? Mittelalterliche Grundlagen eines Sonderwegs
München: C. H. Beck 2003; 352 S.; Ln., 24,90 €; ISBN 3-406-50222-9Der Autor lehrt Sozialgeschichte in Wien und führt in diesem Buch (etwa entlang der einzelnen Kapitel) ein thematisch breit gefächertes und forschungsbiografisch teils weit zurückreichendes Feld früherer Arbeiten zusammen. In Beantwortung seiner universalgeschichtlich verstandenen „Frage nach dem Sonderweg der Entwicklung Europas" (8) folgt er Max Weber, der die "okzidentale Sonderentwicklung" ebenfalls auf eine Verkettung verschiedenster Umstände zurückgeführt habe. Mitterauer verbleibt dabei - erklärtermaßen gegen den vorherrschenden Standpunkt in der neueren Sonderweg-Literatur - nicht primär in der Neuzeit, sondern verfolgt sieben von ihm für zentral erachtete mittelalterliche Bedingungsfaktoren teils bis ins Frühmittelalter und in die Spätantike zurück. Mit dem Vorwurf ideologischer Motive grenzt er sich von jenen Arbeiten ab, die sich normativ dem Bau eines wie auch immer zu gestaltenden Europas widmen. Er selbst beschreibt und erklärt historisch-genetisch - und im partiellen Vergleich etwa mit dem byzantinischen, dem islamischen und dem chinesischen Kulturraum - insbesondere jene Kulturphänomene, die einzig in Europa anzutreffen sind, die aber betont nicht wertend überhöht werden.
Inhalt: 1. Roggen und Hafer. Die Agrarrevolution des Frühmittelalters; 2. Villikation und Hufenverfassung. Grundherrschaftliche Wurzeln europäischer Sozialformen; 3. Gattenzentrierte Familie und bilaterale Verwandtschaft. Gesellschaftliche Flexibilität durch gelockerte Abstammungsbeziehungen; 4. Lehenswesen und Ständeverfassung. Ein Sonderweg des Feudalismus; 5. Papstkirche und universale Orden. Die westliche Christenheit als eine hoch organisierte Religionsgemeinschaft; 6. Kreuzzüge und Protokolonialismus. Wurzeln des europäischen Expansionismus; 7. Predigt und Buchdruck. Frühformen der Massenkommunikation; Schluss: „Welche Verkettung von Umständen ...?" Faktoren der europäischen Sonderentwicklung in ihrer Wechselwirkung.
Thomas Nitzsche (TN)
M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
Rubrizierung: 3.1
Empfohlene Zitierweise: Thomas Nitzsche, Rezension zu: Michael Mitterauer: Warum Europa? München: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18639-warum-europa_21619, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 21619
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M. A., Fachreferent für Politikwissenschaft, Soziologie und Wirtschaftswissenschaft an der Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek in Jena (ThULB).
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