/ 20.06.2013
Ulrich Beck
Was zur Wahl steht
Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2005; 127 S.; brosch., 7,- €; ISBN 3-518-41734-7Nicht, „was zur Wahl gestellt wird“, möchte Beck in seinem Essay behandeln, sondern die Frage, „was zur Wahl steht“. Und das ist die Einsicht in die Notwendigkeit, dass sich Deutschland in einer globalisierten Welt neu erfinden muss. Diese Neudefinition setzt freilich die Verabschiedung der geläufigen falschen Antworten voraus – seien sie neoliberaler (Deregulierung erzeugt Wirtschaftswachstum), seien sie sozialprotektionistischer Art (nationale Abschottung sichert jetzigen Lebensstandard). Wir befinden uns heute in einer politischen Ökonomie der Unsicherheit, hervorgerufen durch das neue „Machtgefälle zwischen territorial fixierten politischen Akteuren (Regierungen, Parlamente, Gewerkschaften, Arbeitnehmer) und nicht territorial gebundenen weltwirtschaftlichen Akteuren (Kapital-, Finanz- und Handlungsmächte)“ (34). Statt das obsolet gewordene Versprechen möglicher Vollbeschäftigung zu wiederholen, sollten wir überlegen, wie Demokratie jenseits der Vollbeschäftigungsfiktion aussehen könnte. Beck rückt damit die „Lafontaine-Frage“ (Wie lassen sich die ungezügelten Risiken weltweiter Kapitalströme politisch eindämmen?) ins Zentrum seines Essays. Ohne eine bessere internationale Koordinierung der Politik, eine stärkere übernationale Kontrolle von Banken und Finanzinstitutionen und den Abbau des zwischenstaatlichen Steuerdumpings werde sich das Primat der Wirtschaft weiterhin gegenüber dem Sozialen und der Demokratie behaupten. Eine Antwort auf dieses Dilemma lautet für Beck „Europa“ – ein neuer, demokratisch legitimierter Konvent, die direkte Wahl des Präsidenten der Europäischen Kommission und die Einführung von Formen direkter Demokratie bei europäischen Angelegenheiten.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.3 | 3.1
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Ulrich Beck: Was zur Wahl steht Frankfurt a. M.: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24309-was-zur-wahl-steht_28016, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 28016
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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