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/ 06.06.2013
Peter Oliver Loew / Christian Pletzing / Thomas Serrier (Hrsg.)

Wiedergewonnene Geschichte. Zur Aneignung von Vergangenheit in den Zwischenräumen Mitteleuropas

Wiesbaden: Harrassowitz Verlag 2006 (Veröffentlichungen des Deutschen Polen-Instituts Darmstadt 22); 408 S.; brosch., 28,- €; ISBN 978-3-447-05297-9
Europa ist ein Kontinent der „Zwischenräume“, heißt es in der Einleitung der Herausgeber. Damit werden die Gebiete bezeichnet, „in denen es zu ethnischen, kulturellen oder sprachlichen Überlagerungen kommt, insbesondere solche, in denen sich die territorialen Ansprüche von Nationalstaaten überschneiden“ (9). Die Zahl der europäischen Zwischenräume sei beträchtlich. Die Autoren dieses Sammelbandes – Historiker, Soziologen, Literaturwissenschaftler und Ethnologen aus Frankreich, Polen, Deutschland und Russland – konzentrieren sich auf das östliche und das westliche Mitteleuropa. Im Mittelpunkt stehen die von vielfältigen Aneignungsprozessen geprägten Regionen Mitteleuropas: die deutsch-polnischen Grenzgebiete, Elsass und Lothringen, aber auch die Karpato-Ukraine, das nördliche Ostpreußen (Königsberg/Kaliningrad) und das Baltikum. Wie wurde die staatliche Inbesitznahme europäischer Grenzregionen historisch legitimiert? Wie setzen sich die Einwohner mit diesen „Zwischenräumen“ auseinander? Vom Topos der „wiedergewonnenen Gebiete“ bis hin zur „wiedergewonnenen Geschichte“ reicht das Spektrum der Fragen, die die Autoren während einer Tagung im Oktober 2004 in Lübeck erörterten. Die Beiträge wurden nach drei dominierenden Untersuchungsebenen gruppiert: Im Zentrum des ersten Abschnitts steht die „Stadt“, betrachtet wird u. a. die städtebauliche Konstruktion von Geschichtszeichen und Erinnerungsorten. Teil zwei ist der „Region“ gewidmet und die Aufsätze des dritten Parts konzentrieren sich auf „Symbole der Aneignung“ (15). Themen sind etwa Sankt Annaberg als zentraler deutsch-polnischer Erinnerungsort oder die Relikte einstiger Kriege – die Kriegerdenkmäler im Elsass. Auf diese Weise wird deutlich, dass Europa „ein Patchwork der Regionen“, eine „Collage vieler miteinander verflochtener Zwischenräume“ (9) ist.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.612.23 Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Peter Oliver Loew / Christian Pletzing / Thomas Serrier (Hrsg.): Wiedergewonnene Geschichte. Wiesbaden: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9014-wiedergewonnene-geschichte_31515, veröffentlicht am 16.08.2007. Buch-Nr.: 31515 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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