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/ 21.06.2013
Carl-Ludwig Holtfrerich

Wo sind die Jobs? Eine Streitschrift für mehr Arbeit

München: Deutsche Verlags-Anstalt 2007; 318 S.; geb., 19,95 €; ISBN 978-3-421-04277-4
In der Streitschrift stellt der Wirtschaftshistoriker die Beschäftigungspolitik der letzten dreißig Jahre grundsätzlich infrage, denn für Holtfrerich ist die arbeitsmarktpolitische Misere vor allem das Ergebnis der falschen Reaktionen auf die Trendwende nach dem Ölpreisschock. Sein zentraler Vorwurf lautet, dass sich Politik und Wissenschaft einseitig an einem verkürzten Modell angelsächsischer Wirtschaftspolitik orientieren, welches lediglich die angebotsorientierten Maßnahmen wahrnimmt, jedoch die unternommene Stärkung der Binnennachfrage ausblendet. Dies verlangt nach der Erhöhung der Investitionsquote und der Akzeptanz eine maßgebliche Verschuldung in Kauf zu nehmen, was auch bedeutet, die von der EU festgelegte Defizitgrenze infrage zu stellen. Der Autor plädiert für eine Kombination von angebots- mit nachfrageorientierten Mechanismen, wenn er etwa Lohnzurückhaltung und weniger Umverteilung fordert. Dies soll durch steuerfinanzierte staatliche Lohnzuschüsse sozialpolitisch ausgeglichen werden. Unabhängig von den wirtschaftspolitischen Aussagen sei auf Holtfrerichs harsche Politikerschelte hingewiesen. Er wirft den politisch Verantwortlichen Inkompetenz vor und zeichnet so ein recht unbedarftes Bild politischer Prozesse: Statt nach dem Zusammenhang von politischen Entscheidungen und institutionellen Bedingungen zu fragen, lässt sich der Autor letztlich in der Apologetik des Fachmanns aus.
Frank Schale (FS)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.342 Empfohlene Zitierweise: Frank Schale, Rezension zu: Carl-Ludwig Holtfrerich: Wo sind die Jobs? München: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27396-wo-sind-die-jobs_32098, veröffentlicht am 16.08.2007. Buch-Nr.: 32098 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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