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/ 20.06.2013
Oskar Negt

Wozu noch Gewerkschaften? Eine Streitschrift

Göttingen: Steidl 2004; 175 S.; Ln., 14,- €; ISBN 3-86521-053-8
Die gegenwärtige Krise der Gewerkschaften interpretiert Negt als generelle Notlage der Politik, keine sinnstiftende Identität mehr produzieren zu können. Während diese Tendenz gesamtgesellschaftlich zur Anomie führe, bedeute sie für die Gewerkschaften nicht weniger als die Infragestellung ihrer Existenz. Angesichts wachsenden globalen Wettbewerbsdrucks, fortschreitender Rationalisierung und struktureller Veränderung der Arbeit würden die Gewerkschaften mit Problemen konfrontiert, die sie mit bestehender Ideologie und ordnungspolitischer Organisationsstruktur kaum bewältigen dürften. Deshalb fordert Negt eine Neudefinition des gewerkschaftlichen Begriffs des Politischen: Weil die Zukunft der Arbeit die tradierten Bahnen des Betriebs zunehmend verlasse, sollten sozialkulturelle Handlungsfelder und emotionale beziehungsweise soziale Bedürfnisse neu erschlossen werden. Diese Erweiterung des gewerkschaftlichen Aufgabenbereichs in Richtung eines kulturellen Mandats sollte nicht nur den Symbol- und Sprachraum des Arbeitermilieus sichern, sondern vor allem Sinn als wesentliches politisches Element bewahren, oder besser: erneut begründen.
Frank Schale (FS)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.3312.342 Empfohlene Zitierweise: Frank Schale, Rezension zu: Oskar Negt: Wozu noch Gewerkschaften? Göttingen: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22568-wozu-noch-gewerkschaften_25749, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 25749 Rezension drucken
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