/ 19.06.2013
Michael Elm / Gottfried Kößler (Hrsg.)
Zeugenschaft des Holocaust. Zwischen Trauma, Tradierung und Ermittlung. Hrsg. im Auftrag des Fritz Bauer Instituts
Frankfurt a. M./New York: Campus Verlag 2007 (Jahrbuch 2007 zur Geschichte und Wirkung des Holocaust); 285 S.; kart., 24,90 €; ISBN 978-3-593-38430-6Ausgangspunkt der Beiträge ist die Frage, „wie mit den Zeugnissen der Überlebenden von Nationalsozialismus und Holocaust nach dem absehbaren Ende des ‚Zeitalters der Zeugenschaft’ umzugehen ist“ (7). Nachgegangen wird ihr in den Bereichen Literatur-, Film- und Kulturwissenschaften, Judaistik, Pädagogik, Geschichts- und Rechtswissenschaften. Eingangs stehen das Konzept und die Tradition der Zeugenschaft im Mittelpunkt. Die Literaturwissenschaftlerin Assmann stellt fest, dass es vier Grundtypen von Zeugenschaft gibt, die juristische, religiöse, historische und moralische. In das Zentrum der Zeugenschaft des Holocausts stellt sie den moralischen Zeugen. Dann wird die Zeugenschaft vor Gericht thematisiert, versehen mit der Feststellung, dass die Strafprozessordnung den Täter und nicht das Opfer in den Mittelpunkt stellt. Außerdem wird in drei Wahrheitsbegriffe unterschieden – die subjektive des Zeugen, eine Pluralität von Wahrheiten, von denen der Historiker ausgeht, sowie die juristische Sicht, die sich an den Wahrscheinlichkeiten der Sachverhalte, der Widerspruchsfreiheit der Aussagen und der Glaubwürdigkeit der Zeugen orientiert. In weiteren Beiträgen werden die Opferstimmen im Eichmann-Prozess sowie die juristische Zeugenschaft im ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess behandelt. Ein Kapitel ist der Überlieferung der Zeugnisse gewidmet. Der Historiker von Plato thematisiert insbesondere den Übergang von der Zeitgeschichte zur Geschichte und verweist auf die verschiedenen nationalen Erinnerungskulturen. Zusammenfassend schreibt er, dass die vorhandenen vielfältigen Überlieferungen von Erfahrungen aus Nationalsozialismus und Holocaust es zukünftigen Historikergenerationen erleichtern werden, „die Erfahrungsdimension auch ohne Zeitzeugen in ihre Analysen einzubeziehen“ (154). Ein Kapitel ist ferner der Zeugenschaft in Literatur und Film gewidmet, Beispiele sind u. a. der „Roman eines Schicksallosen“ von Kertész und der Film „Der Pianist“ von Polanski.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.35 | 2.313 | 2.61 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Michael Elm / Gottfried Kößler (Hrsg.): Zeugenschaft des Holocaust. Frankfurt a. M./New York: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21550-zeugenschaft-des-holocaust_33414, veröffentlicht am 07.04.2008.
Buch-Nr.: 33414
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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