/ 21.06.2013
Matthias Platzeck
Zukunft braucht Herkunft. Deutsche Fragen, ostdeutsche Antworten
Hamburg: Hoffmann und Campe 2009; 223 S.; geb., 16,95 €; ISBN 978-3-455-50114-8Wäre der brandenburgische Ministerpräsident Platzeck 2005 gesundheitlich nicht gestrauchelt und immer noch SPD-Vorsitzender, hätte er vielleicht als Kanzlerkandidat der anderen Ostdeutschen gegenübergestanden – aber anders als Angela Merkel deutlicher die Erfahrungen der ehemaligen DDR-Bürger repräsentiert. Dies liest sich zumindest aus diesem Buch heraus, in dem Platzeck den eigenen politischen Werdegang, der im Sommer 1989 in der Umweltbewegung in der DDR begann, und für ihn wichtige politische Einsichten und Grundsätze schildert. Auffällig ist die unideologische Betrachtungsweise der verschiedenen politischen Herausforderungen in u. a. den Bereichen Wirtschaft und Soziales, die sozialdemokratische Politik ist staatstragend formuliert. Kritisch fällt aber der Rückblick auf die Rolle der Opposition in der DDR aus, Platzeck bedauert, dass die Bürgerbewegungen „keinen begeisternden und auf die Zukunft gerichteten Entwurf für die veränderten Verhältnisse angeboten hatten“ (60 f.) und die ersten freien Wahlen niederschmetternd verloren. Denjenigen, die die Revolution maßgeblich mitgetragen hatten, war so die weitere entscheidende politische Mitwirkung verwehrt. Platzeck ist noch heute darüber enttäuscht, dass Helmut Kohl mit „seinen unangemessenen Prognosen [...] auf viele Jahre hinaus die Preise verdorben“ (71) hat – die tatsächlichen Fortschritte und Erfolge bei der Wiedervereinigung seien von dem übergroßen Versprechen von blühenden Landschaften nachhaltig verdeckt worden. „Ich glaube, ein bisschen verhält es sich mit dieser ewig ausbleibenden ‚inneren Einheit’ so wie mit einem falsch geknöpften Oberhemd: Hat man die Sache erst einmal falsch angefangen, dann hilft auch ein gewissenhaftes Weiterknüpfen nicht: Das Endergebnis gerät immer schief“ (71). Platzeck schlägt vor, sich von der Vorstellung zu lösen, dass eine perfekte Gesellschaft möglich sei.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3 | 2.315 | 2.342 | 2.331
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Matthias Platzeck: Zukunft braucht Herkunft. Hamburg: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30730-zukunft-braucht-herkunft_36501, veröffentlicht am 13.10.2009.
Buch-Nr.: 36501
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
CC-BY-NC-SA