/ 22.06.2013
Reinhard Bispinck / Thorsten Schulten (Hrsg.)
Zukunft der Tarifautonomie. 60 Jahre Tarifvertragsgesetz: Bilanz und Ausblick
Hamburg: VSA 2010; 213 S.; 16,80 €; ISBN 978-3-89965-375-52009 wurde das Tarifvertragsgesetz 60 Jahre alt. Aus diesem Anlass zog das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut der Hans-Böckler-Stiftung im Rahmen eines gemeinsam mit dem DGB organisierten Symposiums im April 2009 in Berlin Bilanz. Bei den in diesem Band versammelten Beiträgen handelt es sich größtenteils um die ausgearbeiteten Vorträge. Zwar loben die Autoren das Gesetzeswerk grundsätzlich und sehen in ihm ein wesentliches Element der sozialen Marktwirtschaft, das sich als Garant des sozialen Friedens bewährt hat. Zugleich weisen sie daraufhin, dass sich das Tarifvertragssystem im Wandel befindet. Diesen beschreibt Reinhard Bispinck entlang der Stationen der Tarifpolitik. Nach der raschen Ausbreitung eines engmaschigen Netzes von Branchentarifverträgen in den 50er-Jahren seien den Gewerkschaften zum Teil hart erkämpfte verteilungs- und arbeitszeitpolitische Erfolge gelungen. Seit Beginn der 80er-Jahre hätten ökonomische Krisen, Sozialabbau und verschärfter internationaler Wettbewerbsdruck zu Problemen des Tarifsystems geführt, die sich durch die ökonomische Krise intensivierten. Es habe sich eine schleichende Erosion von Tarifstrukturen und eine abnehmende Bindewirkung von Tarifverträgen ergeben. Während Anfang der 90er-Jahre noch rund 80 Prozent aller Beschäftigten durch einen Tarifvertrag geschützt gewesen seien, seien es heute nur noch um 60 Prozent. Dass die Tarifautonomie in einigen Branchen und Wirtschafszweigen nicht mehr funktioniere, sei offenkundig, so auch Reinhard Bahnmüller in seinem Beitrag zur Dezentralisierung der Tarifpolitik. Eine Bilanz der Arbeitskämpfe in der Bundesrepublik zieht Heiner Dribbusch und beobachtet nicht nur eine Verlagerung des Arbeitskampfgeschehens von der Industrie in den Dienstleistungsbereich sowie eine Feminisierung von Streiks, sondern auch einen Wandel der Streikkultur sowie neue Formen wie etwa Flash-Mobs. Schließlich blickt Thomas Dieterich in die Zukunft. Die verfassungsrechtliche Aufgabe des Sozialstaates stehe „unverrückbar fest“: „Die Funktionsfähigkeit der Tarifautonomie muss rechtlich abgesichert sein und bleiben.“ (192)
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.342 | 2.331
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Reinhard Bispinck / Thorsten Schulten (Hrsg.): Zukunft der Tarifautonomie. Hamburg: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31962-zukunft-der-tarifautonomie_38116, veröffentlicht am 23.03.2010.
Buch-Nr.: 38116
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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