/ 21.06.2013
Andreas Helmedach / Robert Maier (Hrsg.)
Zweierlei 1968? Die Umbruchjahre 1968 und 1989 in deutschen und tschechischen Geschichtsschulbüchern
Göttingen: V&R unipress 2008 (Eckert. Die Schriftenreihe 123); 205 S.; kart., 29,90 €; ISBN 978-3-89971-483-8„War ‚1968’ ein gemeinsames Phänomen in Ost und West oder ein zufälliges Zusammentreffen unterschiedlicher Phänomene? [...] Welche historischen Zusammenhänge bestehen zwischen 1968 und 1989?“ (8) Diese Fragen standen im Mittelpunkt der X. deutsch-tschechischen Schulbuchkonferenz, die im Oktober 2007 in Pardubice stattfand. Außerdem wurde gefragt, inwieweit der aktuelle Forschungsstand in deutschen und tschechischen Geschichtsschulbüchern präsent ist. Im ersten Kapitel verknüpfen Christoph Kleßmann, Rainer Eckert und Rüdiger Ritter die Umbruchjahre 1968 und 1989 miteinander, finden dabei aber auch schwerwiegende Unterschiede zwischen den Ereignissen in West und Ost. Das Hauptinteresse der westdeutschen Bewegung habe dem Westen gegolten, schreibt Kleßmann, nicht den Deformationen des Sowjetsozialismus und der Opposition in der DDR und Osteuropa. Und während sich z. B. die Oppositionellen in Prag 1968 für ein Recht auf freie Meinung eingesetzt hätten, für die Wahrung der Menschenrechte und freie Wahlen, so Eckert, habe sich im Westen der antiautoritäre Protest unter anderem in Ho-Chi-Minh-Rufen geäußert. Die Folgen dieser kaum miteinander verknüpften Bewegungen hätten sich 1989 gezeigt: Die Begegnung der 68er-Ost und der 68er-West „ging gründlich schief. Die ehemals Alternativen aus der Bundesrepublik verübelten den Bürgerrechtlern des Ostens, dass sie ihre Welt und Weltsicht zerstörten“ (23). Im zweiten Teil werden Zeitzeugenschaft und moderner Geschichtsunterricht thematisiert, im dritten Kapitel die Umbruchjahre in den Geschichtsschulbüchern und deren Behandlung im Unterricht. Dabei zeigt sich, dass sich der Abschied vom Ost-West-Denken nur langsam vollzieht und die Protestbewegungen noch wenig in einem Kontext behandelt werden. Immerhin seien aber kaum noch tendenziöse Aussagen über die APO zu finden, schreibt Christiane Kohser-Spohn. Die Betrachtung des tschechischen Geschichtsunterrichts zeigt noch erhebliche Lücken auf. Dagmar Hudecová begründet dies u. a. mit der offensichtlichen „Abneigung der Lehrer, sich der Zeitgeschichte zu widmen“ (185).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.23 | 2.22 | 2.35 | 2.61
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Andreas Helmedach / Robert Maier (Hrsg.): Zweierlei 1968? Göttingen: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29950-zweierlei-1968_35499, veröffentlicht am 24.03.2009.
Buch-Nr.: 35499
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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