/ 18.06.2013
Udo Bermbach
"Blühendes Leid" Politik und Gesellschaft in Richard Wagners Musikdramen
Stuttgart/Weimar: Verlag J. B. Metzler 2003; VII, 363 S.; kart., 39,95 €; ISBN 3-476-01847-4Es ist immer noch eine Ausnahme, wenn ein Politikwissenschaftler Fragen der Ästhetik systematisch aufgreift. Wie schon in seiner umfangreichen Studie „Der Wahn des Gesamtkunstwerks. Richard Wagners politisch-ästhetische Utopie" (Frankfurt/M. 1994) setzt sich Bermbach in den Essays dieses Bandes mit dem politik- und gesellschaftskritischen Gehalt der Musikdramen Wagners auseinander. Vor allem mit Blick auf die so genannten Züricher Kunstschriften aus den Jahren 1849 bis 1951 sucht der Autor die schrittweise Einlösung der „Ursprungsintentionen" Wagners (27) - die Vision eines im Musikdrama verkörperten Vorgriffs auf eine herrschaftsfreie ästhetische Weltordnung - in den einzelnen Musikdramen zu belegen. In dieser Biografie und Schriften heranziehenden Werkauslegung erweise sich Wagner „für den interpretierenden Politologen [als] Glücksfall: denn es gibt keinen zweiten Komponisten, dessen für das Musiktheater geschriebene Werke so explizit gesellschafts- und politiktheoretisch aufgeladen sind und zugleich den Anspruch erheben, [...] in eine als schlecht verstandene Wirklichkeit eingreifen zu wollen" (28). Die Essays sind überarbeitete Fassungen von andernorts publizierten Vorstudien.
Aus dem Inhalt:
I. Das absolute Kunstwerk ist ein vollständiges Unding. Zum biographischen und systematischen Kontext von Wagners Musikdramen
II. Die Feen - Das Liebesverbot - Die hohe Braut. Frühe Motive politisch-ästhetischer Kritik
III. Rienzi. Aufstieg und Fall eines Revolutionärs
IV. Der Fliegende Holländer. Erlösung durch Selbstvernichtung
V. Tannhäuser. Tod im Gehäuse der Institutionen
VI. Lohengrin. Frageverbot und ästhetische Mission
VII. Tristan und Isolde. Liebesutopie und gesellschaftliche Realität
VIII. Der Ring des Nibelungen. Anfang und Ende aller Politik
IX. Die Meistersinger von Nürnberg. Poetische Regeln demokratischer Selbstregierung
X. Parsifal. Ästhetisierung der Revolution
XI. Wieviel Antisemitismus ist in Wagners Musikdramen? Anmerkungen zu einer nicht abschließbaren Diskussion
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.35
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Udo Bermbach: "Blühendes Leid" Stuttgart/Weimar: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/19004-bluehendes-leid_22053, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 22053
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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