Skip to main content
/ 22.06.2013
Rudolf Arend

Bürger und kommunale Selbstverwaltung in Nordrhein-Westfalen seit 1945. Ein Beitrag zur Landesgeschichte

Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2010 (Europäische Hochschulschriften: Reihe III, Geschichte und ihre Hilfswissenschaften 1074); 204 S.; 39,80 €; ISBN 978-3-631-60245-4
Diss. Duisburg-Essen; Gutachter: P. Alter, U. Schneider. – Die Entwicklung der kommunalen Selbstverwaltung in Nordrhein-Westfalen wurde entscheidend durch den Umstand geprägt, dass das Land nach Kriegsende britische Besatzungszone war, schreibt Arend. Die Briten lehnten die Wiederbelebung der traditionellen Strukturen aus der Weimarer Zeit ab, denn sie sahen in der Rheinischen Städteordnung mit einem Bürgermeister, der nicht direkt vom Volk gewählt wurde, eine Ursache für die Ausbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts. Stattdessen wurde das britische System der städtischen Ordnung auf Nordrhein-Westfalen übertragen. Direktdemokratische Elemente waren nicht vorgesehen und die Personalunion von Ratsvorsitz und Verwaltungsleitung wurde aufgehoben. „Die Trennung der Aufgaben bedeutete eine kommunale Doppelspitze, die in Nordrhein-Westfalen bis in die 1990er-Jahre erhalten blieb.“ (52) Dass dies nicht ohne Kompetenzkonflikte und Irritationen in der Bürgerschaft vonstatten ging, wird in dieser Geschichte der kommunalen Selbstverwaltung am Beispiel einzelner Städte aufgezeigt. Arend beschreibt die verschiedenen Reformen der Kommunalverfassung vor dem Hintergrund der politischen und gesellschaftlichen Entwicklung. Sein besonderes Augenmerk gilt der Bürgerbeteiligung. So konnten 1952 sachkundige Bürger in Ratsausschüsse berufen werden und in den 70er-Jahren erhielten die Bürger im Rahmen des repräsentativen Systems mehr Rechte. Erst 1994 wurden „nach langjährigen wechselvollen Diskussionen in den politischen Gremien“ (191) Elemente der unmittelbaren Demokratie in die Gemeindeordnungen aufgenommen. Der Autor war selbst als sachkundiger Bürger in den 70er- und 80er-Jahren in verschiedenen Bauausschüssen der Räte von Essen und Duisburg aktiv und bietet mit dieser Studie einen interessanten Einblick in die Debatten und Prozesse der kommunalen Selbstverwaltung.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.3252.331 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Rudolf Arend: Bürger und kommunale Selbstverwaltung in Nordrhein-Westfalen seit 1945. Frankfurt a. M. u. a.: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32876-buerger-und-kommunale-selbstverwaltung-in-nordrhein-westfalen-seit-1945_39271, veröffentlicht am 24.11.2010. Buch-Nr.: 39271 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA