/ 22.06.2013
Jens Maßlo
Jugendliche in der Politik. Chancen und Probleme einer institutionalisierten Jugendbeteiligung am Beispiel des Kinder- und Jugendbeirates der Stadt Reinbek
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2010; 477 S.; 49,95 €; ISBN 978-3-531-17398-6Politikwiss. Diss. HSU Hamburg; Gutachter: W. Gessenharter. – Im Jahre 2003 nahm der Kinder- und Jugendbeirat der Stadt Reinbek seine Arbeit auf. Anfänglich zeigten die Jugendlichen reges Interesse an der Institution, doch nach relativ kurzer Zeit stellten sich Ermüdungserscheinungen ein. Nach gut einem Jahr existierte das Gremium nur noch auf dem Papier, es scheiterte, wie der selbst in der schleswig-holsteinischen Kommunalpolitik aktive Politikwissenschaftler Maßlo schreibt. Warum wurde der Beirat von den Jugendlichen „trotz optimaler Bedingungen“ (20) nicht so angenommen, dass er über einen längeren Zeitraum Bestand hatte? Dieser Frage widmet sich Maßlo in drei Abschnitten: Zunächst klärt er die Begriffe Jugend und Partizipation und bietet einen Überblick über den Forschungsstand zum Bereich der Kinder- und Jugendpartizipation. Der zweite Teil dient der Beschreibung der Einflussfaktoren und ihrer Operationalisierung für die Untersuchung. Erörtert werden individuelle Einflussfaktoren, hauptsächlich aus dem Rational Choice- und dem Ressourcen-Modell, sowie kollektive Faktoren, die Maßlo der Bewegungsforschung entnimmt. Der Arbeit liegt ein instrumenteller Partizipationsbegriff zugrunde: „Partizipation dient der Durchsetzung eigener Interessen gegen die Interessen anderer.“ (131) Dabei greift Maßlo auf Ansätze der Konfliktforschung zurück. Der dritte Teil enthält die Ergebnisse von Interviews. Es wird deutlich, dass beide Seiten, Jugendliche und Erwachsene, die jeweilige Situation unterschiedlich bewerteten. Beide Seiten hatten zu hohe Erwartungen aneinander,und die Jugendlichen sahen ihre Interessen in der Politik nicht berücksichtigt. Insgesamt lassen die Aussagen ein „Kommunikationsdefizit“ (418) zwischen beiden Gruppen erkennen. Daraus resultierte eine mangelnde gegenseitige Anerkennung, die Maßlo als wesentliche Ursache für das Scheitern des Beirates sieht. Hier bestehe der Hauptansatzpunkt für ein Konfliktmanagement: „nicht gegenseitige Verteufelung oder Jammern über die Lethargie und Politikverdrossenheit der Jugendlichen, sondern Versuche, in gegenseitiger Wertschätzung gemeinsame Anerkennungsstrukturen aufzubauen“ (12) seien wichtig. Stark „formalisierte institutionalisierte parlamentarische Formen der Beteiligung“ (458) seien weniger tauglich als projektorientierte Partizipationsformen.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.331 | 2.325
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Jens Maßlo: Jugendliche in der Politik. Wiesbaden: 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32478-jugendliche-in-der-politik_38757, veröffentlicht am 15.02.2011.
Buch-Nr.: 38757
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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