/ 21.06.2013
Melanie Tatur (Hrsg.)
Nationales oder kosmopolitisches Europa? Fallstudien zur Medienöffentlichkeit in Europa
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009; 284 S.; brosch., 34,90 €; ISBN 978-3-531-16317-8Inwieweit gleichen sich nationale Mediendebatten in Europa an, inwieweit unterscheiden sie sich? Wie lässt sich „europäische Medienöffentlichkeit“ paradigmatisch fassen: „als ein diskursiv herzustellender ‚Raum’ oder als national fragmentierte Arenen symbolischer Machtkämpfe“ (9)? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigten sich Studierende im Rahmen von zwei Empiriepraktika, die unter Leitung der Professorin für Gesellschaftswissenschaften Tatur an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt durchgeführt wurden. Die mediale Verarbeitung von Konfliktereignissen in der Europäischen Union wurde in vier Fallstudien untersucht. Dabei ging es um die Auseinandersetzungen in der EU über den Irak-Krieg, die Resonanzen auf die Habermas-Derrida Initiative, die Diskussion über die europäische Verfassung und das Ringen auf dem Brüsseler Gipfel zum Reformvertrag im Juni 2007. Im Ergebnis zeigt sich, so die Herausgeberin, dass die Tendenzen der Konvergenz nationaler Mediendiskurse in Europa mit solchen nationaler Fragmentierung und nationaler Mobilisierung/Demobilisierung zusammengehen. Erstere seien als Ausdruck „supranationaler Inkorporation“ in das europäische Mehrebenensystem zu verstehen, Letztere würden auf das Agenda-Setting der nationalen Politiker und kulturell sowie strukturell bedingte „Wissenslücken“ zwischen den nationalen Medienöffentlichkeiten verweisen. Die Europäisierung von Öffentlichkeit sollte nicht in Analogie zur „Nation" als Herstellung eines „Kommunikationsraums“ konzeptualisiert werden, sondern als „Internationalisierung“. Eine so konzeptualisierte „europäische kosmopolitische Öffentlichkeit und die sie generierte Identität definiere sich [...] nicht durch eindeutige Grenzen“, sondern „über das Verhältnis zu sich selbst – zur europäischen Form kultureller Kompetenz und zur spezifischen nationalen Prägung“. So könne es gelingen, „Brücken innerer Integration und externer globaler Vernetzung zu bauen“ (65).
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 3.4
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Melanie Tatur (Hrsg.): Nationales oder kosmopolitisches Europa? Wiesbaden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30080-nationales-oder-kosmopolitisches-europa_35659, veröffentlicht am 15.04.2009.
Buch-Nr.: 35659
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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