/ 21.06.2013
Susanne Pernicka / Andreas Aust (Hrsg.)
Die Unorganisierten gewinnen. Gewerkschaftliche Rekrutierung und Interessenvertretung atypisch Beschäftigter – ein deutsch-österreichischer Vergleich
Berlin: edition sigma 2007; 358 S.; 22,90 €; ISBN 978-3-89404-553-1Die im Zuge von Neoliberalismus, Individualismus und Flexibilisierung eingetretenen Veränderungen in der Erwerbsarbeit wurden von den Gewerkschaften erst spät zur Kenntnis genommen. Ihre Klientel bestand weitgehend aus sogenannten Normalarbeitnehmern in unbefristeter und vollzeitiger Festanstellung. Die zunehmende Herausbildung von atypischen Beschäftigungsverhältnissen in Form von Solo-Selbstständigen, Ich-AGs, Leiharbeitnehmern oder befristeten Arbeitsverhältnissen zeigten den traditionell erfolgreichen gewerkschaftlichen Strategien Grenzen auf und stellten eine wesentliche Herausforderung für zukünftiges gewerkschaftliches Handeln dar. Wie haben die Gewerkschaften auf die Veränderungen der arbeitsweltlichen Rahmenbedingungen reagiert und mit welchen Strategien haben sie versucht, atypisch Beschäftigte zu organisieren? Wie können atypisch Beschäftigte für kollektives Handeln gewonnen werden? Diese Fragen werden in ländervergleichender Perspektive und anhand von ausgewählten Wirtschaftsbereichen – Erwachsenenbildung, Call Center und Betriebe der Elektroindustrie – empirisch erforscht. Die untersuchten Gruppen wiesen „eine relative Resistenz gegenüber traditionellen Formen der betrieblichen Mitbestimmung und Rekrutierung durch einen etwaigen Betriebsrat auf, weshalb Gewerkschaften in einigen Fällen neue und bewährte Formen der Organisierung (Kampagnen, Partizipation, Dienstleistung) erprobt und intensiviert haben.“ Allerdings, so die Schlussfolgerung der Autoren, trägt erst „ein konstruktives Zusammenspiel institutioneller, struktureller und akteursspezifischer Faktoren [...] dazu bei, atypisch Beschäftigte für eine Gewerkschaftsmitgliedschaft oder kollektives Engagement auf betrieblicher Ebene zu gewinnen und deren Anliegen interessenpolitisch durchzusetzen“ (336).
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.22 | 2.4 | 2.331
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Susanne Pernicka / Andreas Aust (Hrsg.): Die Unorganisierten gewinnen. Berlin: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27892-die-unorganisierten-gewinnen_32771, veröffentlicht am 27.03.2008.
Buch-Nr.: 32771
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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