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/ 21.06.2013
Kristina Isabel Schwarte

Embeddded Journalists – Kriegsberichterstattung im Wandel

Münster: Westfälisches Dampfboot 2007 (Einsprüche 18); 136 S.; 14,90 €; ISBN 978-3-89691-591-7
Die Autorin stützt sich weniger auf eigene Forschungen, sondern vermittelt einen gut geschriebenen Überblick über den Kenntnisstand, basierend auf wissenschaftlichen Arbeiten und Erfahrungsberichten von Journalisten. Sie schildert die im Irak-Krieg 2003 arbeitenden „Embedded Journalists“ als kein tatsächlich neues Phänomen, wohl aber als den vorläufigen Endpunkt einer langen Entwicklung im Verhältnis zwischen kriegsführendem Militär und Kriegsberichterstattern. Als herausragende Fallbeispiele dienen der Vietnamkrieg 1965 bis 1973, der Golfkrieg 1991 und der Irak-Krieg 2003 sowie als aufschlussreicher Exkurs die Folterbilder von Abu Ghraib. Geschildert wird der Wandel, den die Rolle des Kriegsreporters durchlaufen hat, „vom Ideal des kritischen, investigativen Journalisten im Vietnamkrieg über die restriktive Position als passiver Zaungast während des Golfkriegs bis hin zum instrumentalisierten Kooperationspartner des Militärs im Irak-Krieg“ (101). Die Versuche der Militärs, eine ihnen unangenehme Kriegsberichterstattung im Irak-Krieg durch das sogenannte Einbetten der Journalisten (die praktisch in die Truppe aufgenommen wurden) zu unterbinden, habe „eine soziale Situation geschaffen, die einen sehr subtilen Einfluss auf die Berichterstattung hatte“ (92). Schwarte kommt deshalb zu dem Schluss, dass „die Kriegsberichterstattung zum Instrument der Politik gehört“ (105). In den USA scheine der „Raum für die Grundprinzipien der Pressefreiheit im Sinne von der Freiheit, Kritik an der eigenen Regierung üben zu können und die Realität des Krieges möglichst kritisch und objektiv abzubilden“ (120), nicht mehr gegeben zu sein. Diesem pauschalen Urteil ist wohl auch geschuldet, dass die Autorin die Veröffentlichung der Folterfotos aus dem Gefängnis Abu Ghraib vor allem den wirtschaftlichen Interessen der Medienunternehmen zuschreibt und nicht in Betracht zieht, dass die Medien eben doch ihre Funktion als vierte Gewalt ausgeübt haben. Genau dieser Bilder wegen aber, schreibt Schwarte, hätten die USA den Krieg zumindest an der visuellen Front verloren.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.222.3334.41 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Kristina Isabel Schwarte: Embeddded Journalists – Kriegsberichterstattung im Wandel Münster: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27684-embeddded-journalists--kriegsberichterstattung-im-wandel_32513, veröffentlicht am 27.03.2008. Buch-Nr.: 32513 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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