/ 22.06.2013
Harald Schmid (Hrsg.)
Erinnerungskultur und Regionalgeschichte
München: Martin Meidenbauer Verlag 2009; 226 S.; pb., 34,90 €; ISBN 978-3-89975-169-7Die These des Autors lautet, dass „sich Region als spezifische Wahrnehmungsweise geografischer und politisch-kultureller Bedingungen auch in geschichtspolitischen und erinnerungskulturellen Ausdrucksformen niederschlägt.“ (14). Die Beiträge sind drei Kapiteln zugeordnet. Zunächst werden Museen als Erinnerungsorte thematisiert. Hier beschreibt beispielsweise Jan Scheunemann, wie regionale Museumsarbeit in der frühen DDR durchaus partiell das offizielle Geschichtsbild konterkarieren und eine Art „stille Resistenz“ (45) darstellen konnte. Zwar wurden die kleinen Heimatmuseen und Heimatstuben mit ihren althergebrachten Heimat- und Geschichtsbildern immer wieder kritisiert. Forderungen nach deren Schließung konnten sich aber nicht durchsetzen. Es erschien politisch opportun, die „Begeisterung der Bürger, das kulturelle Erbe zu pflegen“ (43) nicht zu unterbinden. Im Kapitel „Stadtgeschichte und regionale Identitäten“ betrachtet Katja Bernhardt die Auseinandersetzungen über das Stadtbild Danzigs in den 20er- und 30er-Jahren, die tief im nationalistischen Diskurs verankert waren. Georg Götz zeigt, welche Funktionen das Skagerrak-Gedenken von den 20er- bis in die 60er-Jahre in Wilhelmshaven und Rüstringen erfüllen konnte. Andrea Genest erläutert, wie das heutige Wroclaw (Breslau) ein Symbol der Oppositionsbewegung aufgreifen und zu einem (Marketing-) Symbol der Stadt umwandeln konnte. Das letzte Kapitel enthält u. a. einen Beitrag von Sebastian Lehmann über den Umgang mit dem CDU-Landespolitiker und vormaligen NS-Marinerichter Hartwig Schlegelberger. Der „Fall Schlegelberger“ biete sich geradezu als Beispiel „für die verschiedenen Phasen der schleswig-holsteinischen Vergangenheitspolitik“ an und verdeutliche „den Wert der regionalgeschichtlichen Perspektive in der Analyse erinnerungskultureller Diskurse“ (215). Die Aufsätze gehen auf eine Tagung des AK „Politik und Geschichte“ der DVPW im Mai 2008 zurück. Insgesamt veranschaulichen sie die „spezifische Regionalität der Erinnerungskultur“ (11). Die Fallstudien zeigen, welche enorme geschichtspolitische Brisanz oftmals gerade in den Auseinandersetzungen im regionalen Raum ausgemacht werden kann.
Christoph Kopke (CKO)
Dr. phil., Dipl.-Pol., wiss. Mitarbeiter, Moses Mendelsohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien, Universität Potsdam.
Rubrizierung: 2.23 | 2.35 | 2.61 | 2.5
Empfohlene Zitierweise: Christoph Kopke, Rezension zu: Harald Schmid (Hrsg.): Erinnerungskultur und Regionalgeschichte München: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32387-erinnerungskultur-und-regionalgeschichte_38647, veröffentlicht am 07.09.2010.
Buch-Nr.: 38647
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Dr. phil., Dipl.-Pol., wiss. Mitarbeiter, Moses Mendelsohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien, Universität Potsdam.
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