/ 20.06.2013
Karin Oberholzer Michel
Frauenerwerbstätigkeit und Arbeitsmarktsegmentation. Empirische Befunde für die Schweiz
Bern/Stuttgart/Wien: Haupt Verlag 2006 (Schriftenreihe des Forschungsinstitutes für Arbeit und Arbeitsrecht an der Universität St. Gallen 29); XV, 192 S.; kart., 38,50 €; ISBN 978-3-258-06932-6Wirtschaftswiss. Diss. St. Gallen; Gutachter: H. Schmid, P. Maas. – Die Schweiz hat 1981 den Grundsatz der Gleichberechtigung von Frauen und Männern um den Passus erweitert, der die Gleichstellung der Geschlechter in Familie, Ausbildung und Arbeit sowie den Anspruch auf gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit garantiert. Wie in den meisten europäischen Ländern hat sich auch in der Schweiz nach 1945 die Situation von Frauen auf dem Arbeitsmarkt verbessert (Anstieg der Erwerbsquote, Verbesserte Bildungsmöglichkeiten), zugleich wird diese positive Entwicklung von andauernden Ungleichheiten gebrochen. Die Autorin untersucht die Ursachen und Wirkungsweisen dieser widersprüchlichen Entwicklung und setzt sich zunächst mit klassischen Arbeitsmarkttheorien sowie ihrer feministischen Weiterentwicklung auseinander. Im Zentrum der Arbeit steht dann der Versuch, die Entstehung und Stabilität einzelner Segmente und die geschlechtliche Zugehörigkeit zu diesen Segmenten zu erklären. Dies macht die Autorin anhand einer K-Means-Clusteranalyse von Daten der Schweizerischen Arbeitskräfteerhebung (SAKE), bei der größere Gruppen von Erwerbstätigen mit ähnlichen Eigenschaften mithilfe von Präskriptoren gebildet werden. Sie kommt zu dem wenig überraschenden Ergebnis, „dass die Trennlinien des Arbeitsmarktes nicht eindeutig entlang der Geschlechtergrenze verlaufen“ (167), gleichzeitig aber Männer und Frauen durchaus ungleich in den einzelnen Segmenten anzutreffen sind. Frauen finden sich vorwiegend in den Clustern „Steckengebliebene“, „Absteigende in technischen Berufen“ und „Familienfrauen“, während das primäre Segment mit den höchsten Privilegien von Männern dominiert wird. Da die Befunde sich nur wenig von denen anderer Länder unterscheiden, liegt die Bedeutung dieser Schrift folglich in der genaueren Analyse des Schweizer Arbeitsmarktes und seiner geschlechtlichen Ungleichheiten. Eine neue Erklärung dafür wird nicht geliefert.
Alexandra Scheele (AS)
Dr., Politikwissenschaftlerin, Akademische Mitarbeiterin am Lehrstuhl Wirtschafts- und Industriesoziologie der BTU Cottbus.
Rubrizierung: 2.5 | 2.27
Empfohlene Zitierweise: Alexandra Scheele, Rezension zu: Karin Oberholzer Michel: Frauenerwerbstätigkeit und Arbeitsmarktsegmentation. Bern/Stuttgart/Wien: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24200-frauenerwerbstaetigkeit-und-arbeitsmarktsegmentation_27877, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 27877
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Dr., Politikwissenschaftlerin, Akademische Mitarbeiterin am Lehrstuhl Wirtschafts- und Industriesoziologie der BTU Cottbus.
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