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/ 20.06.2013
Markus Schütz

Der Begriff des Guten bei Charles Taylor. Kann es unter der Autonomiebedingung der Moderne noch eine normative Theorie des guten Lebens geben?

München: Herbert Utz Verlag 2005; 320 S.; brosch., 54,- €; ISBN 3-8316-0525-4
Diss. München 2004. – Gewiss einer der profiliertesten Vertreter des Kommunitarismus ist der kanadische Sozialphilosoph Charles Taylor, in dessen Werk sich angelsächsische analytische Philosophie und kontinentaleuropäische Denktraditionen wie Idealismus und Hermeneutik verbinden. In der Auseinandersetzung mit dem Liberalismus hat Taylor – ebenso gesellschaftstheoretisch wie anthropologisch argumentierend – stets ein atomistisches Personenkonzept kritisiert, das individuelle Autonomie unabhängig von sozialen Bindungen behauptet. Politische Gemeinschaften setzen vielmehr einen Bestand geteilter Werte voraus, die für beide Dimensionen – die Ausbildung individueller Identität wie für den gesellschaftlichen Zusammenhalt – konstitutive Bedeutung haben. An diesem engen Zusammenhang, den Taylor zwischen dem Begriff des Guten, den Voraussetzungen gesellschaftlicher Kohäsion und der Idee eines guten Lebens herstellt, setzt die vorliegende Arbeit an. Das primäre Interesse des Autors gilt der Frage, ob sich vor dem Hintergrund der in modernen liberalen Gesellschaften verkörperten Autonomieansprüche überhaupt noch eine normative Theorie des Guten – wie von Taylor beabsichtigt – plausibel vertreten lässt. Im Hauptteil der Arbeit entwickelt Schütz in drei Schritten – Gemeinschaftskonzept, Authentizität und Anerkennung, Theorie des Guten – Taylors Version des Kommunitarismus. Darauf aufbauend umreißt Schütz Möglichkeiten einer autonomieverträglichen Theorie des Guten, die heute – unter den Bedingungen des sozialen Pluralismus – weniger eine Gesellschaftstheorie als vielmehr eine Theorie des guten Lebens sein könnte.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.465.43 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Markus Schütz: Der Begriff des Guten bei Charles Taylor. München: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25350-der-begriff-des-guten-bei-charles-taylor_29378, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 29378 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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